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Tag der Nachbarn

Tag 5/6

Spricht für sich

Sonntag, 22. März 2020

Jeder Tag ist ein Neuer und am Morgen, wenn der Tag mit dem Aufwachen beginnt, dann ist es still und ruhig in uns; und wenn dann noch, die Sonne am Himmel steht und sich durch ein leichtes Wolkenfeld schiebt und niederscheint, so meint man, es ist eine schöne Welt, besonders, da man die Vögel hören kann, ein Kuckuck sitzt vielleicht irgendwo in einem Baum und meist, fast immer, kann man die Vögel sitzen sehen, nie aber den Kuckuck.

Heute ist Sonntag, 22. März 2020, gerade da ich diese Zeilen schreibe, da vernehmen meine Ohren, diese zarten und wohltuenden Töne unserer Welt und mein Kopf ist noch frei von der Welt und ihren Besonderheiten dieser Tage. Mein Hoffen, meine Kräfte schwinden mit jedem Morgen, da ich diese Zeilen verfasse, um ein wenig länger unbeschwert zu sein, doch schon während ich jene Gedanken an die Schönheit unserer Welt in mir trage, da sind auch mit meinem Erwachen am frühen Morgen – heute war es wieder etwas früher als gestern – da erwacht auch meine Sorge, die ich mit dieser unserer Welt habe.

Zu sagen, ich weiß und wüsste, wie es den anderen Menschen geht, ich kann es leider nicht sagen, da der Mensch vom Menschen getrennt ist in seiner Angst und ich habe Angst, denn das Ungewisse, das Unbekannte, das neuartig Andere, es macht etwas mit mir.

Wenn man an diesem morgen, es ist der 22. März 2020, seine Fenster öffnet und hinaus sieht, mag es nicht allerorts so sein, dass man dem Gezwitscher der Vögel lauschen will, aber für alle, die in diesen Tagen vom Klang der Welt Misstöne hören, so will ich versuchen derer zu gedenken, denen und derer, denen die Gedanken der Welt gehören.

Unsere Welt, sie ist auch an diesem Sonntag eine stille Welt, leiser sind die vom Menschen gemachten Geräusche, ihnen zuzuhören ist alltäglich, doch unser aller Alltag ist eine andere Farbe unseres Nordens geworden; so vermag es all denen, die gerade in der schwersten Prüfung des Menschen stehen, ein Trost sein, Hilfe darstellen, ein bei Euch sein, wenn Worte, ob viele oder auch nur wenige, kaum in der Lage sind den richtigen Ton zu treffen.

Für einen Augenblick ans Fenster herantreten und nach dem Fenstergriff greifen, um das Dahinterliegende aufzumachen und ins Hinauslauschen zu geraten; für einen Moment den blauen Himmel mit den Augen erfassen und sehen, wie er in der Kälte des morgens umschlungen uns umfasst; möglich, dass man an dem Baum vor seinem Haus ein paar Äste erhascht, an denen sich der Frühling ankündigt, diese kleinen Knospen, die sich zaghaft öffnen werden, wenn ihre Zeit gekommen ist und wenn man dabei den Klang der Welt vernimmt, wie er da still und vehement in seiner Stille unsere Gedanken trägt, so mag darin ein bedächtiger Trost liegen, dass mit jeder Knospe, die verblüht, auch ein Baum gewachsen sein wird.

(Meine Texte brauchen eine klare Struktur, eine Überschrift/Titel/Bezeichnung; außerdem muss ich sie in Bilder einbetten – Stand: Sa. 8. Mai 2020; etwas fehlt am Ende noch, irgendwie erscheint das noch nicht Rund – Stand: Sa. 16. Mai 2020)


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Im Klang der Stille auf Augenhöhe

Tag 35/36

Donnerstag, 23. April 2020

Guten Morgen!

Jeden Morgen die gleichen Abläufe durchlaufen und die gleichen Dinge erledigen, ehe man in den Tag startet, eigentlich eine Angelegenheit, die im Schongang erledigt ist, ehe der Tag an einem vorbeistartet.

Wenn ich mir meinen Baum so anschaue, dann wird mir klar, dass er dessen niemals müde wird, er ist ein Baum und seine Bestimmung ist es, langsam zu wachsen, im Frühling Triebe zu entkeimen und diese in Knospen auszutreiben, Blätter entstehen zu lassen und dann macht er einfach weiter und es entstehen an den Blättern meines Baumes nun jene Blütenstände, die, wenn sie denn bestäubt wurden, auch ihre Kastanien wachsen lassen werden.

Allein dieser Vorgang, so erscheint es mir, geschieht recht langsam und verglichen mit unseren alltäglichen Mustern die gleichen Abläufe zu durchlaufen, ist mein Baum darin ein geübter Meister der Ruhe und Stille, ihm widerfährt die Stille so ruhig, wie der Wind, der um das Haus schleicht.

Er hat weniger damit zu tun, still zu sein, als dass er die Ruhe der Zeit benutzt, um in die Höhe – Rosskastanien erreichen mitunter eine Höhe von 30 Metern – zu wachsen; meine Rosskastanie ist beinahe so hochgewachsen und wird vermutlich noch ein wenig daran arbeiten sich in die Höhe zu treiben.

Was aber nun die morgendliche Geschäftigkeit unseres Alltags anbelangt, diese mit der nimmermüden und ewig aufrecht stehenden Gattung meines Baumes zu vergleichen und darin Resümee zu ziehen, erheitert mein Gemüt, da ich erkenne, das ein Vergleich nur unzureichend und unvollendet erscheinen mag, da der Mensch weniger an Jahren hat, um zu wachsen, um zu reifen und um sich schlussendlich zu vermehren – wir Menschen neigen dazu keine 300 Jahre alt zu werden – aber wir sind ja viel effektiver in unserer Lebensgestaltung, weil wir gleiche Abläufe aus dem Unterbewusstsein heraus aktivieren und nebenbei

Wir haben immer etwas, dass wir erledigen müssen, um dass wir uns kümmern müssen und immer auch ein Problem, das nicht gelöst ist! Kurzum, wir haben einfach eine bewusste Gestaltung unseres Alltags. Und dieses Bewusstsein ist in unseren Nervenbahnen vernetzt und wie ein Ast an meinem Baum abbrechen kann, so kann auch ein Netz aus Nervenbahnen Risse bekommen. An einem Baum sieht man die Veränderung, in einem Gehirn geschehen diese Dinge während wir lesen, schreiben, kochen, putzen und viele andere Dinger erledigen, die wir als wichtig erachten.

Was aber geschieht Tag um Tag mit meinem Baum? Und wann ist eine solche Veränderung wichtig und wann bemerken wir die Veränderung?

Schon in der Frühe des Tages stehen wir auf und verlaufen uns in unseren Tag, dass geschieht alles zuweilen und vor Ort auf eine Weise, die uns unseren Baum nicht sehen lässt

Erst eine drastische Veränderung unserer Umwelt verlangt in uns nach einer neuen Struktur, doch bis dahin sind wir Menschen und wir verfehlen hin und wieder die nötige Struktur, auch wenn sie aus der Stille herauszukommen scheint und wir sie mit offenen Armen begrüßen können und sie umfängt uns gleichermaßen, wie wir sie erleben, die Veränderung allerdings, wenn sie von außen kommt, verändert sie automatisch auch unser innerstes!

Wenn ich nun versuche, den Versuch meines Baumes auf die Münze des Verstandes zu bringen und eine Prägung der Stille zu prägen, dann gilt diese besondere Aufmerksamkeit jener Stille des Frühlings diesen Jahres, dieser Tage und im Augenmaß der Stille des 18. März 2020; im übrigen ein Mittwoch; für mich war es 16:50 Uhr.

Im Klang der Stille auf Augenhöhe.

Was aber nun die Belanglosigkeit des bereits bestehenden Netzes aus Nervenbahnen anbelangt, so muss der Mensch diese aktivieren, bevor er von der Betrachtung und Verortung eines Baumes hinkommt, um daraus eine Prägung werden zu lassen und diese dann noch ummünzt und zur Ware des Verstandes werden lässt.

Wie viel an Arbeit steckt in einem einzigen Blatt? Wie viel an Kraft kostet es den Baum, dass er das Wasser durch seinen Stamm zieht und saugt und kapilliert? An dieser Stelle sei dem Knecht der Gedanken gestattet, dass er nicht kapituliert und kapiert, dass es Kapillare Kräfte sind, die – nun sei es mir erlaubt – kapillieren.

Zurück zur Sache; der Mensch ist anders in seiner Umgebung, der viel zu erledigen hat, wenn er dafür Sorge trägt, dass seine Blätter wohl genährt und gekleidet sind. Auch hat der Mensch Verantwortungen, die einen Baum weder interessieren, noch dass er davon wüsste. Dennoch bleibt in mir die Erkenntnis dieses Frühlings, in dem ich meinen Baum zum ersten Male sah; es mutet befremdlich, wenn man liest, er sah seinen Baum zum ersten Mal, obgleich dieser doch vor seinem Fenster steht und ohne weiteres als Baum zu erkennen ist.

Die Erkenntnis also schließt nicht aus, dass es etwas an meinem Baum gibt, dass sich signifikant verändert zu haben scheint. Der Frühling ist bestätigte Sache und in dieser Angelegenheit lässt Mutter Natur nicht mit sich spaßen, sie erledigt ihre Dinge auf ihre Weise. Wenn nun weder der Baum noch der Frühling die Signifikanz darstellen, so bleibe nur ich übrig, der sich zum Problem gesellen muss, da ich meinem Baum so wenig an Beachtung schenkte, obschon ich seit vielen Jahren wohne, wo mein Haus steht.

Etwas an meiner Ruhe und meiner Stille hat sich geändert, sodass ich ein Verändern durchlaufe, wie der Baum den Frühling durchläuft. Und da ich schon hier bin, wo mein Stuhl sitze, da bemerke ich den Wandel, welcher mir hervorgerufen erscheint durch die allseits beliebte Stille und Ruhe dieser Tage; und so stelle ich die Fragen. Kann die Stille und die Ruhe uns mächtiger machen, um wahrzunehmen und zu verstehen? Und kann diese Konsequenz bequemer in unseren Handlungen aufgehen und uns Selbstverständnis einbringen, wenn wir sie bewusster werden lassen und sie gar zur Übertreibung feiern?

Gleich egal wie viele Fragen ich noch an meinen Baum habe, ich werde heute nicht zu allen Antworten gelangen, ich denke, dass wir diese Fragen gefunden haben und sie gestellt haben, ist ein außerordentliches Vergnügen und mit diesem will ich für heute schließen.

Bis Morgen!

Gideon Mate

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Rendezvous

Tag 53/54

Sonntag, 10. Mai 2020

Guten Morgen!

Die Routine durchbrechen.

Eine gute Idee, ein vorsätzliches Handeln abweichend von dem, was in einem zur Gewohnheit geworden ist, stellt eine Anforderung dar, die erst Beachtung findet, wenn man sich ihrer bewusst wird.

An einem Sonntag, da bleibt man gerne im Bett, es schläft sich so nett. Allein dieser Umstand ist Routine, zumindest bei mir, aber nicht heute, nicht an diesem Sonntag; heute, so hatte ich es gestern beschlossen, stehe ich früh auf, um mir ein Vergnügen zu bereiten. Ich stand um 4:45 Uhr auf, zog meine sieben Sachen an und fuhr in den Wald, wollte die Stille spüren.

Und zu meiner Überraschung, sie hat mich nicht enttäuscht! Sie war da, war pünktlich, ich war es auch und somit kam keiner zu spät. Nicht auszudenken, wenn man zum Genießen der Stille zu spät erscheint, da verpasst man was.

Bei  allem Trubel, den diese Welt von einem verlangt; Telefon hier, Treffen dort, Skypen dann, Email wann, Spam ordnen igitt, Kochen voll Fitness, Kinder waschen und nackt aus dem Haus gehen, also …, wie ich das sehe, es ist ziemlich was los in unserer Welt, da fällt einem die Stille schon mal weg und beiseitegelegt, fassen wir sie erst wieder an, wenn sie uns im Wege ist.

Nein, so kann man sich danach trachten, dass man alles beachtet, was Achtung hat und man sich vorsieht, noch bevor die Vorsehung einen ins Visier genommen hat und man stillschweigend dahingeht.

Ich halte und daran mache ich meinen Baum wieder fest, ich halte mich an die Stille und nach und nach erfahre ich etwas mehr von mir; es mag selten seltsam klingen, wie die Stille einem etwas über sich erzählen will, aber …, wenn man genaugenommen und ausnehmend an sich hält, dann kann das Schweigen eine zarte Knopse sein – an dieser Stelle dürfen es auch Knospen sein – doch der Wille Freiwild ist, demnach ein Schwank und Kräfte ich in dieser morgendlichen Stille fand.

Gideon Mate

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Routine der Stille

Tag 54/55

Montag, 11. Mai 2020

Guten Morgen!

In der Routine die Stille finden, das war ein Gedanke, den mir mein Baum vor meinem Fenster draußen im Hof gebracht hat.

Nun will ich weiter und mein Baum, der will Baum sein! Wieso wollen wir Menschen immer weiter? Wollen nicht stehen bleiben! Und wie ein Baum, so wollen viele bestimmt nicht denken.

Ich bin mir sicher, dass ich auch noch nicht wie ein Baum denken kann und ebenso sicher bin ich mir auch, dass ich mich einfach nur in seiner Nähe befinde und noch nicht einmal unter der ersten Schicht seiner Rinde, der Borke, Eingang gefunden habe.

Faszinierend ist dieser Winkel des Betrachtens dennoch, da er zur Stille der Routine beiträgt und vielfärbend einen Weg ebnet, von dem ich niemals angenommen hätte, dass ich ihn eines fernen Tages begehen wollte.

Heute bin ich auf diesem Weg!

Es gibt im Leben viele Wege, viele Straßen und Synonyme für das, was in uns fasziniert und uns an die Dinge bindet, wie dass wir morgens unsere Schuhe an unsere Füße binden.

Und in der Routine der Stille findet sich, vielleicht an so manch morgen beim Binden von Schuhen, der eine kleine – und mag er noch so unbedeutend für die Welt sein, so aber nicht für uns – Gedanke, den wir in unseren Schuhen mit uns tragen und der uns weiter Laufen lässt, als dass der Schuh am Morgen davon zu tragen gedachte.

 Was wird in uns zur Stille?

Diesen Gedanken stecke ich für heute als erstes in meine Socken, Schuhe ziehe ich später an!

Gideon Mate

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Zeitumstellung

Tag 11/12

Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment. (Buddha)

Bezug zum Zitat nehmen!

Sonntag, 29. März 2020

Guten Morgen!

Krähen! Sie streiten, sie krächzen, ob sie nun miteinander streiten, ob sie miteinander auf ihre Weise kommunizieren; Amseln und Braunkehlchen singen im Revier, sie alle stecken ihren Platz untereinander ab, die Zeitumstellung steckt nur ab, wann für uns der Tag beginnt, da der Frühling kommt.

In diesem Jahr ist es anders, die Straßen sind verwaist, auf ihnen lässt sich an diesem Sonntagmorgen kaum ein Auto hören; die Welt fährt bleifrei.

Zeitumstellung! Frühlingserwachen! Stillstand! Sie alle sind Teil von dem, was uns schlafwandlerisch überrollt hat und fernab aller greifbaren Gedanken zu liegen scheint. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Welt das letzte Mal so erfüllt und getragen war von solch angenehmer und natürlicher Stille, vor mir liegt sie, gerade da ich bin und der Gesang der Vögel lauscht sich, als sei er lauter geworden, als seien die Kehlen der Natur kräftiger und ohne, dass der lästige Lärm des Menschen sie übertönt und mich überrollt, fühle ich mich stärker, kräftiger, ziehe die Schultern an und atme tief ein und nur die Stille und ich sind hier, da und dort, nur die Stille niemals fort! Zeitumstellung, Frühlingserwachen, Stillstand, sie alle sind Teil dieser Stille, die zu verdeutlichen, ich mir auf die Fahne geschrieben habe, da sie alles für mich deutet, was von reiner Bedeutung ist.

Es mag auffallend sein, dass man mehr hört, wenn es ruhiger um einen herum ist. Wir Menschen stellen Zeiten um, halten uns an Zeiten, denken in Zeiten und wir wissen, wann es Zeit ist, doch interessiert sich „Corona“ dafür, dass es gerade jetzt Zeit ist für den Menschen hinaus in den frischen Frühling zu gehen?

Man kann nicht sagen, dass es einen langen Winter gehabt hat, es war einfach nur etwas kälter und dunkler und grau, grau vor allen Dingen. Aber nun, da wir wieder mehr vom Licht bekommen, weil die Zeit es uns erlaubt, weil Mutter Natur sich das so ausgedacht und wir Menschen dabei mitmachen, einfach, weil es unserer Natur entspricht, da aber ist es, dass wir unsere Gedanken anfüllen und überschwemmen mit der Biblischen Bassbox der Apokalypse; mag sein, dass ich das in einigen Wochen anders sehe, aber gerade heute, da ist es mir so wichtig, wie dass die Stille und die Bedeutung deutlich in mir aufschreien und sich wichtiger machen, als sie es bisher für mich waren. Um das Eine zu verstehen, muss das Andere ebenso in Betracht gezogen werden.

Der Stillstand, der vom Menschen gemachte Stillstand, dem wir alle unterliegen und wir nur mehr von dem haben, was wir Zeit nennen, entfacht in uns allen den Drang und den Wunsch dem „Gewetter“ – den von Wetter kann hier nicht die Rede sein – wir also folgen dem „Gewetter“, weil wir das nicht unbedingt vollkommen frei machen können, weil nicht dürfen angesagt ist.

Und wenn die Straßen jetzt frei sind, freier als wir uns vielleicht fühlen und die Wohnungen angefüllt sind mit unfreiwilligem Alleinsein, mit sich sein, dann drängen wir hinaus, als hätten kömische Hösen Bewegungsdrang.

Geht man dieser Tage hinaus in die Natur, so trifft sich der Mensch gar pur. In den Wäldern gehen sie entlang, sie spazieren und flanieren und gehen sich aus dem Weg, soweit es irgend möglich ist, aber jedem ist es bewusst, denn auch im Wald, wo sich der Mensch nun tummelt, ist es erfüllt von einer Ruhe und alle Meter Stille, die jedem, der sie erlebt aufgefallen sein wird; ich spreche das so deutlich an, als dass ich hoffentlich bin, darüber dass allen diese Stille aufgefallen ist. Die Dinge in den Zerspiegel zerren und ins Bindeglied des Verstandes biegen und beugen und mit gebrochenen Teilen hineindrücken und pressen will ich, weil mein Verstand nicht begreifen kann, wie still und fein die Stille doch zum Verstande kommen kann und den Menschen – mich – aus dem unbewussten Hause, den unbewussten Walde, der unbewussten Höhlen holen kann.

Ob die Zeit dabei eine Rolle spielt(?) und der Mensch aus seiner Rolle fällt und wie er seine Rolle spielt, nun wir werden es erleben, denn ein jeder von uns ist hierbei kein Statist, wir sind die Protagonisten der Geschichte, die Geschichte ist der Plot unserer Geschichte, also schichte ich Schicht um Schicht, bis dass die Geschichte zur Geschichte spricht. Und wenn ich 100 Tage lang wiederholen und mich immer und immer wieder darauf stürze, wie der Falke vom Himmel stößt um seine Beute zu fangen, so werde ich nimmermüde sein, geständig und beständig darauf aus zu sein, dass ich einen Weg finde, diese unmittelbare Einkehr eines Fluidums in meinen Geist zu beschreiben, der in der Stille sich so nah erfahren hat, dass er keine Angst mehr hatte.

Ist der Mensch ruhiger, in sich gekehrter, weil er nun Zeit für sich hat, sie neu entdeckt? Empfindet er anders, weil er dem Stress und der Hektik des Alltags entflohen ist? Oder ist die Zeit weder für die Hektik noch für den Stress verantwortlich?

Eines können alle nicht bestreiten, der Frühling wandelt die Welt der Wälder; die Wälder wandeln alle Jahre und wir wandeln öfter als in allen Jahren durch die Wälder unseres Verstandes nicht nur.

Bei allem, was es gerade ist, es besinnt den Menschen zu tun, was zu tun ist und ein jeder tut, wie er tun kann und will, weil Zeit er gerade hat.

Wie still die Welt doch geworden ist!? Gedanken erfassen den Menschen befassen ihn und fassbare Zeit er vor Augen sieht. Denkwürdig ist diese unsere Zeit, in der wir mehr zu haben scheinen, als wir uns vor Augen halten können.

Halten wir stille und vernehmen den morgendlichen Klang und Gesang der Welt, lauschen und hören wir und vielleicht spüren wir unser Herz in unserer Brust schlagen, fühlen, wie der Puls pulsiert; und das unser Blut durch uns hindurchfließt, das passiert an allen Tagen keine Frage, die Zeit hingegen schlägt den Puls nur bis zum Ende unserer Tage; und wie bis dahin unser Herz schlagen wird, zu einem gewissen Teil können wir unseren Herzschlag bestimmen.


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Rituale

Tag 26/27

Dienstag, 14. April 2020

Ein solch pflegendes Ritual des morgens, das einem verhilft in seinen Tag zu starten, ist für jeden von uns einmalig; jeder hat dabei sein eigenes Vorgehen und seine eigene Geschwindigkeit, die uns allen so zu eigen sind, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen.

Aber genau das macht ein solches Ritual aus, es ist Teil unserer Wahrnehmung, Teil der Sicht, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen.

Und wenn ich dieser Tage meinen Tag damit starte, dass ich auf Ziegen starre – ach, quatsch, dass war ja der Clooney – aber ich starre im Grunde auch und bei mir ist es ein Baum, der mich begleitet in diesen Tagen.

Ich habe diesen Baum seit 27 Tagen wachsen sehen, nun im Grunde sah ich die Triebe an seinem Astwerk wachsen – und im Grunde ist das Wort der Woche – aber zuzusehen, wie sich an einem jeden Ast die Triebe aufbringen und entfaltet haben, war mir ein morgendliches Ritual und bisher pflegte ich dieses Ritual 27 Mal und daraus hat sich, wie ich doch finde, ein anregendes Gesprächsthema ergeben.

Und ist ein solches Gespräch nicht auch Ritual, wenn wir es mit all jenen haben, die uns zu eigen sind? Rituale sind kaum spürbar, solange sie möglich und vorhanden sind, so dass wir ihren Regeln, die ja unsere Regeln sind, weil wir diese Ritual kreiert haben, um uns ein Leben zu geben, welches Spaß, Freude und Bedeutung hat.

27 Tage starre ich nun meinen Baum, der da immer noch vor meinem Fenster steht und fest verwurzelt ist beim Frühlingen zu – die grammatikalische Korrektheit – den Baum stört dies nicht.

Und wenn ich mir all die vielen Bilder ansehe, die ich in dieser Zeit gemacht habe, so sehe ich mehr, als mein Wort starren kann. Ich erkenne das kleine Ritual, welches ich erschaffen und welches sich mir gegenüber geöffnet hat an.

Also ist mein Baum auch eine Bezeichnung, die mehr nur ist als ein Baum. Wenn ich nun noch die Ruhe hineinbringe, die ich vernehme, so ist die morgendliche Stille geprägt vom Zwitschern der Vögel, gerade jetzt sind es einige Zilpzalpe und die Kohlmeise übernimmt und wenn zwischendrin der Kuckuck sich einbringt, dann ist der Tag über den Kamm

Und wohl weiß ich, die Sonne steht im Osten auf und mein Baum steht vor meinem Fenster, ich kann beides jeden Tag sehen und wenn ich jemandem von diesem Erleben erzähle, so teilen dieser jemand und ich vielleicht für eine Weile die gleiche Wahrnehmungsebene. Und ganz gleich, wie weit wir uns aus unserem Fenster lehnen müßen, wir erreichen den Baum zwar nicht, ohne dass wir aus dem Fenster fallen, aber der Baum vor unserem Fenster ist immer da.

Gideon Mate

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Vivaldi 4 Seasons I. Allegro

Tag 56/57

Mittwoch, 13. Mai 2020

Guten Morgen!

Man hat und so ist es immer, man hat Einfälle, man hat Ideen, man hat dazu Gedanken und nicht immer, so hat weder das eine noch das andere Platz und man fühlt sich enge, wo man ist. Der Platz im Kopf ist unser Schatz und wir wissen oft genug, wie gut wir ihm tun, wenn wir uns gemächlich sind.

Vivaldi hat seinen Platz, leise klingt seine Musik, sein „Spring“ in Allegro aus den Lautsprechern unter meinem Laptop und vorne am Bildschirm. Es greift sich ein wenig Raum in mir und meinen Baum packe ich dazu, somit ist klar, wir spielen: Ich packe meinen Koffer.

Jetzt geht der Gedankenschuster aber auf Reisen. Na klar, ich mach das, ich mach solche Sachen und Sachen machen Sachen!

Um aber auf den Punkt zu gelangen, da braucht die Theatralik auch hin und wieder einen Dosenöffner, der einem dazu verhilft, dass man sich in seinen Gedanken zurechtfindet und zu Recht hat aber auch ein jeder Gedanke seinen Platz, denn er entsteht in uns, wenn wir uns mit einer Sache beschäftigen und Sachen machen Sachen.

Worum sich also Sorgen machen? Sorge ist ein Bote, der einem die Gedanken bringen und wringen kann, so dass man am Ende ist mit seinem Latein und einem auffällt: Ich hatte nie Latein!

Und die Sieben-Sachen, die wir packen, um uns auf den Weg unserer Gedanken zu machen, wir nehmen dies jetzt einfach mal wörtlich in die Hand und auch hier fällt auf: Gedanken liegen selten in der Hand!

Oh mein Gott, die Sache mit dem Denke wirkt aber ganz schön kompliziert, besonders, da ich damit, noch irgendwie so recht es auch sein mag, nicht angefangen habe.

Und genau hier an dieser Stelle erscheint mein Baum auf der Schwelle, jetzt wird es aber eng, gottlob mein Baum ist ein Gedankenspiel und wie im Winde seine Blätter schwingen und singen, so ist es auch mit unseren Gedanken, die uns allzeitlang nicht verlassen und wir uns stets damit befassen können.

Doch Gedanken brauchen Nahrung, brauchen Futter, haben Hunger und gieren nach mehr und da bereits ein ganzer Baum in meinem Koffer Platz gefunden hat, so packe ich nun noch den ganzen Wald hinein, der hat auch sein Pläsier und somit sind wir schon ein ganzes Stückchen weitergekommen.

Doch, der Weg, so er mir scheint, den wir noch zu gehen haben in dieser Zeit, der ist noch lang. Und für heute schließe ich diesen Sang mit dem Klang von Vivaldis 4 Seasons I. Allegro.

Gideon Mate

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Die goldene Stunde

Tag 18

Sonntag, 5. April 2020

Guten Morgen!

Ein herrlicher Tag, der heute bereits um 6:00 begonnen hat, zumindest für mich, die Sonne ging erst um 6:30 Uhr in unseren Breitengraden auf, macht aber nichts, weil das wenige Licht, dieses schmale Aufbauen des Horizontes, dieses schmale Band, welches sich langsam im Zeitraffer über den sichtbaren Horizont rollt, sich nahtlos einfügt in das Bild, welches ich von meinem Bett aus habe.

Das noch verschlafene Auge nimmt die Veränderung wahr, der fast noch schlafende Geist blinzelt der Welt des Schlafes Valet. Und mit Schlag 6:30 spitzt und schickt sich sanfte Sonne sorgsam sicher einher.

Wer morgens um jene Stunde, die Goldene, wie ich meine und weiß um deren Bedeutung. Die Goldene Stunde hat hier und ich bin da gänzlich und sage euch die Doppeldeutung, denn ohne richtige Deutung der Dinge ist eine Bedeutung nur so viel wie ihr Verständnis dafür, ob ihr dem einen Wert gebt, ist eine freie Entscheidung.

Also, die Fotografie greift hier den Begriff kurz nach dem Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang auf, um hierhin pedantisch und das Pendant zu geben, gibt es auch die Blaue Stunde, die wie auch immer mitmacht – ich lächle an dieser Stelle – es ging sich ja um die Goldene Stunde; nun haben wir eine Bedeutung, doch die zweite Bedeutung ist in der Medizin gebräuchlich für die Hilfeleistung am Menschen.

Was aber hat all der Blödsinn mit unserem Sonnenaufgang und unserem Baum, der, wie wir ja wissen, noch immer vor unserem Fenster steht zu tun?

Nun, da wir dieser Tage gelebt Solidarität ertragen und traghafte Hilfe sind, weil wir wie die Goldene Stunde sind. Eine einfache Transferleistung von Sonne zu Baum und Baum zum Menschen. Da der Mensch von der Sonne abhängt, der Baum vom Lichte seiner Kraft, die schier unendlich schafft und der Mensch vom Baume sich herunterlebte und auch heute noch vom Baume lebt, beizeiten auch im Walde steht, so ist die Goldene Stunde vielfach in aller Munde.

So, nun sind wir im Bilde, das Ganze erhält einen Rahmen und wir gehen auf unser Gedankenpferd und galoppieren in den Sonnenuntergang, derweil ergreifen wir unser Gedankenschwert und schlagen uns eine Flucht, nicht weil wir fliehen wollen, wir festsitzen ja gerade in unserem Haus, vor dem hoffentlich unser Baum nicht beseelt ist von einer weiteren Bedeutungsebene der Goldenen Stunde und nun habe ich das Zahnrad ganz gedreht.

Wir können absatteln!

Gideon Mate

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Die Ruhe in mir

Tag 66/67

Samstag, 23. Mai 2020

Guten Morgen!

Besinnung ist etwas sehr Schönes. Sich in Ruhe auf etwas vorbereiten, gibt dem ganzen Kraft und den Tag damit zu beginnen, ist ein solches „Schönes“.

Seitdem ich morgens die Stille suche, sehe ich in mir die Formen auflaufen, die in der Stille verborgen sind. Meinem Baum muss ich hierbei den größten Respekt entgegenbringen, denn er war und er ist es noch, der mich in der Spur meiner Suche hält.

Ich verfolge sein Wachsen vom Frühling an, als er noch keine Blätter trug. Zu Beginn waren es nur einfache Blätter, die sich in kleinen Knospen herauswuchsen, danach kamen zarte Blütenstauden hervor, die erst noch weiß waren und mit der Bestäubung sich rötlich färbten und aus denen nun allmählich weitere kleine Früchte hervorzuwachsen beginnen.

Die Betrachtung meines Baumes, seines Heranwachsens, sie hat mich ein Stück weit gelehriger gemacht, sie hat erreicht, was ich nicht zu sehen verstand, aber ohne den Corona-Wahnsinn…

Wäre ich zu dieser Ruhe gelangt? Hätte es mir Freude bereitet seinem Wachsen zuzusehen und mich jeden Morgen um 6 Uhr daran zu erfreuen, dass er vor meinem Fenster steht? Schließlich ist es doch nur ein Baum, so könnte ich schreiben, aber es ist mir mehr nur als ein Baum geworden.

Ich schrieb es, es ist geworden „es“, nicht er, also ist mir die Geschichte meines Baumes zu etwas geworden, dass vorher nicht gewesen ist und ohne den Corona-Wahnsinn…

Heute erblicke ich die kleinen Veränderungen, die Formen, die Gestalten, wie aus den vormals weißen Blütenstauden, die aussehen wie kleine Glöckchen, rötlich Bestäubte Blüte wurden und aus diesen nun nach und nach die kleinen grünen runden Bällchen hervorkommen, die im Herbst, also erst in ein paar Monaten zu großen stacheligen grünen Kugeln geworden sein werden; es ist der grüne Mantel der Rosskastanie, die verfärbten Blüten, rücken allmählich in den Hintergrund und werden braun und dunkel und schließlich fallen auch sie wieder vom Baum und werden im Erdreich zur Nahrung meines Baumes.

Ich gestehe, dass ich für einige Tage, besonders am Morgen, dass ich da meinen Weg verloren und mich verloren glaubte, weil die Hetze der Masken mich einholte, doch langsam komme ich wieder bei mir an.

Wie vielen geht es so? Gibt es andere, denen die Maskerade auch zur Qual geworden ist? Mir fällt es zunehmend schwer und schwerer werden dabei die Gedanken, weil sie vom Menschen abweichen.

Vor einigen Wochen, es sind gerade 9 Wochen, damals hätte ich das Heute so nicht sehen können, denn mir fehlte etwas, von dem ich nicht wusste, wie ich es erreichen kann, da ich nicht wusste, dass es mir derart fehlte, dass ich davon auch nichts wusste, weil ich es nicht gespürt habe – die Stille und Ruhe.

Ich weiß nicht, ob das Fehlen einer Sache, auch im Kleinsten einer Sache, eine solche Wirkung haben kann, dass sie einem wie ein großes Abenteuer vorkommt, wenn man sie dann aus dem Nichts heraus spüren kann, so sehr, dass man Glauben ist, sie auch zu sehen; wohl deshalb wählte ich meinen Baum, meine Rosskastanie.

Eines jedoch hat sich mir gezeigt und offenbart, dass ich seither nicht mehr missen mag.

Ruhe und Stille sind ein Ort in mir!

Gideon Mate

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Feiertag

Tag 64/65

Donnerstag, 21. Mai 2020

Guten Morgen!

Feiertage haben für mich immer einen symbolischen Charakter, sie haben für mich heutzutage kaum noch eine Bewandtnis zu ihrem Ursprung.

Christi Himmelfahrt zum Beispiel ist ein bundesweiter Gesetzlicher Feiertag, ich bin weder Kirchgänger, noch habe ich einen anderen Bezug zu diesem Tag, dennoch komme ich in den Genuss seiner Vorzüge.

Versteht mich nicht falsch, ich bin noch im Meinungsaustausch mit dem Herrn und wir diskutieren, ob des für und wider.

Ich will auf etwas hinaus!

Feiertage sind Gedenktage, an denen man sich Gedanken um das Vergangene machen und sich in Achtsamkeit begibt, damit man sich nahe sein und sein Nahen spüren kann.

Ich kann nicht umhin und darin liegt mir der Sinn, dass die Zeit reif ist für einen Feiertag, dem wir alle nahe sind, weil wir ihn erlebt haben, sie erlebt haben.

Der 18. März wäre für mich ein solcher Tag!

Was ist so besonders an diesem Tag?

Ich denke, es ist der Besondere Tag diesen Jahres und auch dieses Jahrzehnts, wenn nicht sogar dieses Jahrhunderts.

Es ist der Tag, an dem – meiner Meinung nach – eine Welle von ungeahnter und merkwürdiger Vorstellung durch unser Land gerollt ist, die uns alle Schweigen gemacht hat.

Für mich ist dieser Tag, der stillste Tag meines Lebens; er war so still und leise, dass ich die Stille und das Leise-sein sehen, spüren, riechen und sogar schmecken konnte.

Seither versuche ich alles, um dieser Stille zu gedenken und sie einzufangen, sie festzuhalten, sie ewig zu gestalten, um all ihre Gestalten und Formen, die biegbaren und Dornen zu umfassen und wie ein Königreich zu emporen.

Gideon Mate

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Routinen & Erkenntnisse

Tag 60/61

Sonntag, 17. Mai 2020

Guten Morgen!

Da mich mein Baum so fabelhaft zu beschäftigen und zu geschäftigen Gedanken getrieben hat, wie er seine Triebe ausgetrieben hat, da der Frühling uns erreichte, so habe ich daraus eine Routine werden lassen, doch wird eine jede Routine auch schnell zum Alltag.

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als könne man sich dem Alltäglichen nicht entziehen!?

Wenn man sich dem Alltäglichen, den Gedankenmustern, den Strukturen unterwirft, da es letztlich nicht ohne diese Routinen geht, dann erkennt man irgendwann ihren Nutzen.

Aber haben alle Routine einen Nutzen? Nutzen sich Routinen ab? Wie durchbrechen Routinen unseren Alltag? Und wie durchbrechen wir unsere ablegbaren Routinen?

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als gebe es mehrere Formen der Routinen!?

Nützliche von Gebrauch, brauchbare von Nutzen; regelmäßig anwendbare, unregelmäßig ablegbare; und bar jeder Erkenntnis, es sieht aus, als gäbe es noch viele weitere, doch will ich mich an dieser Stelle nicht ins Schwert meines Verstandes stürzen und unsinnig werden.

Ich denke, derweil ich meinen Blick wieder hinausgleiten lasse und meinen Baum heute Morgen leise mit seinen Blättern rascheln höre, da der Wind durch ihn fährt, ich werde diesen Gedanken langsamer angehen, um auch nichts von ihm zu übersehen oder gar vorschnell zu sein.

Um die Konsequenz einzuhalten, es gibt „nützliche“ und „unnütze“ Routinen und ebenso kann man es halten mit der Erkenntnis!?

Jetzt hat mich mein Baum aber auf eine Reise geschickt! Ein Teifelskerl’e! Mein Baum bringt mich an machbare und denkbare Positionen, von denen aus das Alltägliche gut zu durchleuchten ist.

Die Schwierigkeit der Routine, jene eine, welche mir gerade ins Genick springt und aufhockend gnadenlos ist, reicht mir den Fehdehandschuh und spricht: Ich bin doch die Nützliche; die Unnütze natürlich bleibt stumm. Wie dumm für uns Routiniers, dass wir unsere Routinen so gut kennen, als dass wir sie von uns geben wollen.

Mir reicht es nicht, dass ich meinen herrlichen Baum, diesen stummen Diener meiner morgendlichen Gedanken anschaue – nein – nun muss ich da auch noch hinaufklettern.

Denn, wenn ich den Gedanken so begehe, dann – ojemine – davon zu denken, spricht’s nicht leichter aus, aber über die Erkenntnis hinausgelangen, dass, so bläut es mir mein Bäume – nun falle ich auf die Routine rein – kann man zur Routine werden lassen und einmal damit angefangen, so will man sich bestimmt nicht mehr davonlassen.

An dieser Stelle, bitte einen Ablassbrief für meinen Gedanken, der mir da zu Rate geht!

Gideon Mate

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Eitler Sonnenschein

Tag 33/34

Dienstag, 21. April 2020

Guten Morgen!

Ich weiß nicht, wann ich der Sonne, ihrem Lauf, dem Wachsen der Bäume und dem aufkommenden Frühling, wann ich einem oder auch nur allen einen solchen Blick gegönnt habe, wie ich es in den letzten Tagen gemacht und wiederentdeckt zu haben scheine.

Wohl liegt es an mir, dass ich mein Betrachten der Welt vernachlässigt und ich weniger auf die Schönheit unserer Welt geachtet habe, als dass ich es zurzeit als meinen schönsten Zeitvertreib ansehe – es zum Schönsten mache – was der Tag zu bieten hat, ist mir ein Vergnügen.

In seinem Dasein und nun meine ich wieder meinen Baum, der in seinem Stand, der mir so leicht und einfach erscheint, dass ich darüber bereit bin, mir ordentlich viele Gedanken zu machen, welche ich vorher und früher nie gehabt habe.

Ich sah meinem Baum beim Wachsen zu, sah wie seine Blätter sprossen und sah wie Grün der Schatten vor meinem Fenster wurde, ein tatsächliches Geschehen zu beobachten und sich seiner dabei gewahr werden, ein wohliges Erlebnis.

Also will ich die Frage danach nochmals stellen. Wann habe ich der Natur das letzte Mal Aufmerksamkeit gewidmet und mich von ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt aus meiner Einfalt herausholen lassen? Nun, wir kennen diesbezüglich eine Antwort, doch will ich aus meiner Einfalt heraus und will wieder zurück auf die Straßen des Waldes kehren, der mir dieser Tage des 21. Jahrhunderts um so viel reizvoller und einspielender ist, als dass er es vor dem 18. März 2020 gewesen ist.

Ob und wie viel mein Baum nun größer geworden ist und er an Höhe gewonnen hat, dies alles geschieht nur in meinem Kopf, da die Vermessung eines Baumes ein Gedanke ist, welchem ich mit den Augen folge und folglich bin ich dabei kein Metermaß und auch kein Zollstock, doch zolle ich dem Baum eine Aufmerksamkeit, die mich in den Genuss und den Zustand und dabei ist der Genuss zuständig für mein Wohlbefinden, versetzt, als dass ich darüber Zeit mit ihm verbringe, die mir vorher und früher dafür gefehlt hat.

Ich hab ein Fehl an mir getan, als ich annahm die Sonne sei für mich heikel!

Und nun in „Corona-Solidaritaets“ Manier, es bringt mich dieses Großereignis an den Punkt der Zeit, da ich von dieser mehr zu besitzen scheine, als dass ich vorher den Grauen Herren von der Zeit Bank gegeben habe. Und so erscheint mir die Geschwindigkeit, mit welcher mein Baum sich in den Frühling einbringt klarer zu werden.

Und da ich manchmal geneigt bin meinen Gedanken das Vorfeld zu überlassen, so schwanke ich hin und manchmal mit Sinn.

Was die zuständige Zollbehörde diesbezüglich meint, ist von der Sonne durch Wolkenfelder klare Sicht zu erhalten, ansonsten sei dies Steuerfrei. Und so kommt steuerfrei und feuerfrei zur steuerei dieser Situation, die uns in eine Ruhe und Stille befördert hat, die viel freien Willen und jede Menge Gedanken eingebracht und uns womöglich zum Baum vor unserem Hause geführt hat.

Wohin führt die Stille, wenn wir schweigen und bei ihr bleiben?

Gideon Mate


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Maske

Tag 55/56

Dienstag, 12. Mai 2020

Guten Morgen!

Bach am Morgen, ein bisschen Gezwitscher am offenen Fenster, dazu eine kühle von Feuchtigkeit durchwrungene Kälte, garniert wird das ganze in einem matten Himmelsblau, so kurz nach grau.

Harmonia Dei Fiori in B-Dur, ich finde das Tschilpen der Zilpzalp’s passt herrlich genau und den Vögeln scheint es musikalisch; mir hingegen erscheint mein Kopf eingefroren und leichtgrau. Bin heute, so wie es draußen scheint, nicht genau genug mit mir im Bunde.

Einzig mein Baum, der stumme Diener, der steht und nur feine schüttelt er die Blätter, als wolle er verneinen, dass ich mich heut in Vorrat gleichsam kränke, wenn ich in meinem Kopf herumwühle, weil die Welt da ist und mir viel zu viel geworden ist.

Ich bin aus der Ruhe, aus dem Tritt, nicht im Schritt, sondern im Gesamten, es hat keinerlei und wenig von der Welt, die in aller Welt zu Herrgottszeiten das Schreiten in Weiten maßvoll und gehaltvoll anerkennt; doch dieser Tage, da ist es nicht Allegro und d’accord gehe ich damit auch nicht.

Meinen Baum, den stört das nicht! Mich stört, die Maskerade, sie verdeckt den Menschen. Wie schade mag da einer sagen; sagen dies nun mehr, so ist es doppelt und auch schwer!

Aber, meinen Baum, den stört das nicht! Ich Teufel, wie kann ich auch verlangen, dass ich Gesichter sehe, wo nur Masken sind.

Stumme Diener, die wir geworden sind, sprechen schon süße Träume über Bäume, die stummer sind als Diener, die wir geworden sind!

Bei aller Tändelei, ich will immer wieder und auch immerfortlich an meinen Baum, gedenken will ich der Stille des Menschen, die verloren scheint, wenn der Mensch maskierter Mumpitz auf die Spitze treibt.

Umschreiben kann ich gerade und auch alles, doch in aller Deutlichkeit, es langt langsam an und es macht sich breit, was unter Masken nicht zu sehen ist; des Menschen Gesichter schauen nicht nur aus Augen und sind herzlich, es braucht das Kinn, es braucht die Wangen, sonst klingt B-Dur wie Würfel fangen.

Die Deutlichkeit der Worte, früher hob man allseits den Hut; heute hebt man die Maske nicht, um des Grußes Willen, es bleibt schlicht die Luft.

Tja, ich weiß ja nicht, aber ich bin ich und nicht allein?

Gideon Hate

Schöne Aussichten
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Taschenlicht

Tag 30/31

Manchmal, wenn einfach nichts zu sagen ist…





Auch nach Tagen und Wochen ist dieses Bild noch immer eine sagenhafte Erinnerung.
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Taschenlicht

Samstag, 18. April 2020

Guten Morgen!

Der Specht klopft, so ist’s recht. Die Sonne war pünktlich über dem Kamm im Walde zu erspähen, bereits vorher hatte ich eine Ahnung vom Licht. Erst aber graute es noch und als ich losfuhr mit dem Rad, da war es noch dunkel, aber ich hörte schon ein paar Amseln, die sich vorsahen und der Sonne entgegen.

Zeit hatte ich und Stille lag in der Luft. Kalt war es und gerade eben hell genug, so dass ich ohne Lichter fuhr. Es ist nicht so, dass ich keine Lichter hätte, ich hatte ein rotes Rücklicht und meine Vorderleuchte in der Jackentasche, die Vorrichtung fehlt. Da Eile geboten war, weil mir eben das Licht der Sonne als größere Leuchte geeigneter schien, nahm ich in Kauf, weniger gesehen zu werden und fuhr los. Auf den Straßen war kaum Verkehr und meine grell gelbe Jacke und ich, wir waren uns sicher, dass uns kein Auto übersehen sollte. Und wo kein Verkehr, da auch kein Risiko.

Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es mir ja um das Lichte ging, und um 5:28 Uhr, da hat es schon einen leichten Sonnenschimmer, und deshalb ist es dunkel nicht. Der größte Teil der Strecke geht ohnehin um diese Uhrzeit an einer Stelle vorbei, die weniger befahren ist als am Tag. Und da dieser Tage weniger Fahrten nötig sind als erlaubt, da ist die Straße frühmorgens freier als nötig. Ich schaute hinauf in den Osten, denn von dort erwartete ich das große Ereignis. Ein Großereignis, welches spricht vom Sonnenlicht und jeder Wicht wird wagen zu sagen, was spricht’s vom Sonnenlicht.

An dieser Stelle reiße ich mich zusammen; und ich durchforste all meine Erinnerungen und kann sagen, dass ich es wohldurchdacht habe, aber das Wissen, wann ich je der Sonne bei ihrem Einmarsch in diese Welt zugesehen habe, das habe ich nicht. Desweiteren gebe ich zu bedenken, dass ich, als ich losfuhr, nur dem Sonnenaufgang beiwohnen und ihn einfangen wollte. Wie man Erinnerungen schafft? Das war mir dabei nicht im Kopf, erst das Erinnern zeigt mir die Richtung.

Erst jetzt, da ich hier sitze und verfasse, was mein Verstand mir zuflüstert und meine Sinne mir in Erinnerung rufen, da erfahre ich diesen Sonnenaufgang nochmals und überdauernd überkommt es mich. Ich hatte mich eiligst in den Wald begeben, um zu erfahren, wie es in der Stille des Waldes am frühen Morgen ist und um mit der Sonne zu erwachen.

Das Aufblitzen des Sonnenlichts über meiner linken Schulter schubste mich aus dem Denken ins reine Sein, da mich erst dieses Aufblitzen der Sonne aus dem Alltäglichen des Lebens herausholte und mir derart ins Auge fiel; und für einen Moment war ich geblendet, wie es nur eine Taschenlampe, die plötzlich aus dem Dunkeln heraus aufleuchtet uns zu blenden versteht, als dass dieses Schubsen einer zärtlichen Umarmung des Waldes glich.

Das Erfahren dieser Welt – diese ist es dieser Tage, die mir komisch ist, die Sonne und ihr Lauf sind es nicht und wenn man frühmorgendlich vor dem Sonnenlicht Radelt, dann spürt man womöglich, klein wie ein Taschenlicht, wie es vom Großen spricht; auch im Besonderen dieser Tage liegt womöglich ein Taschenlicht verborgen.

Gideon Mate


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The sound of silence

Die Stimmung aus der Stille



  • Taschenlichter

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Der Stille wegen

Tag 51/52

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Es gibt vielerlei Lärm. Aber es gibt nur eine Stille.

-Kurt Tucholsky


Freitag, 8. Mai 2020

Guten Morgen!

Über die Stille nachzudenken, sich Gedanken darüber zu machen, wie es sich anstellt, das Gedanken-Machen. Und diese, um einen Baum zu wickeln, als sei mein Gedanke ein Wickeltuch der Wärme; so komme ich nicht umhin zu erkennen, dass allein der gedankliche Aspekt schon einen Teil der Stille erschafft, von welchem ich so angetan und geschäftig dieser Tage bin, als dass ich die Finger nicht von dieser leckeren Köstlichkeit lassen will.

Und auch versteckt, aber dennoch sichtbar, ist ein anderer Aspekt, welcher mir erst in diesem Augenblick klar und erkenntlich vorzeigbar erscheint und es gut mit mir meint. Das Schreiben!

Nun erhält das Pflanzen eines Baumes, eine Bedeutung, die ich durch meinen Baum vor meinem Fenster verständlicher finde und darauf hoffe, dass sich durch mein Gedanken-Gang und Gedanken-Gerüst, dass sich daraus nicht nur ein Blick auf die Sache, also auf die Stille legt, sondern, dass sich daraus auch eine Erkenntnis herausbildet, welche mir bleiben und aus der ich Kraft schöpfen und Ruhe finden kann, wenn ich sie einstmals brauchen werde.

Mögen sich andere Gedanken daran anschließen.

Dadurch ergibt sich mir die Motivation, mit welcher ich zu Werke gehe und durch die meine Feder und Schrift und Stil zwar nicht zu Papier, aber immerhin in Worte gefasst auf einem Bildschirm aufleuchten und sich abheben werden.

Mein Wunsch ist, dass meinem Gedanken jemand folgen mag und sich in seiner Gedankenwelt seinen Happy-Place erschaffen und erhalten kann, gerade in Zeiten, in denen es Merkwürdigkeiten gibt, die selten sind.

Und wieder kehre ich zurück zu meinem Baum vor meinem Fenster und ich höre den Kuckuck und wieder kann ich ihn nicht sehen, dennoch ist er da und morgen wird er auch wieder da sein und wieder werde ich ihn nicht sehen.

Manche Dinge sind sichtbare Elemente und bergen unsichtbare Talente und manch unsichtbare Talente bergen Gipfel voller gedanklicher Elemente, derer wir uns öffnen können, um sie zu uns zu holen.

Und der Stille wegen…

Gideon Mate   


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Tag 10/11

https://coronasolidaritaets.net/2020/04/19/tag-30-31/
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Samstag, 28. März 2020

Guten Morgen!

Ein Wachsen, ein Treiben von Trieben an den Verästelungen meines Baumes vor meinem Fenster, deutlich kann man es wahrnehmen, wie der treibende Frühling, angefeuert vom Sonnenlicht des wachwerdenden Frühjahres, wie er in jede Knospe hineinlangt, doch Bäume wachsen nicht von den Knospen an in den Boden.

Der Mensch erwacht und erwächst aus dem Menschen und so der Mensch erwacht am Morgen, ist der Baum und sein Knospen-Gewächs bereits dort, wo wir ihn bereits wissen; es ist also nichts Ungewisses daran, wenn wir des morgens erwachen und ihn erblicken; es ist ebenso normal, wie zu erwarten, dass der Baum vor unserem Fenster im Frühjahr Blüte trägt und die Triebe langsam schwerer werden und ebenso normal, dass die Äste sich nach unten neigen.

In dieser unserer Zeit des Jahres, in diesem März 2020 ist ein wachsames Erwachen des Frühlings zu sehen und ein jeder Mensch kann Knospen zählen, da die Zeit, die wir dafür haben, langsamer geworden ist. Stillstand!

Die Welt hält den Atem an!

Und in der Früh schwerelos zu atmen erschwert unnötig und nachhaltig unsere Atemwege und für einen kleinen Moment hegt sich der Gedanke, wir verstehen, was da im Baume vor sich geht.

Und Momente des Stillstandes ermöglichen eine Vielzahl an Gedanken und Wanderschaften ranken sich um das Knospen-Gewächs am Baume vor unserem Hause, unserem Garten und unserer Wälder.

Ein mancher Wald erwacht in uns und dahingehend, haben Bäume eine Eigenschaft, die Kräfte schafft, die sie tief und fest im Erdreich verwurzeln lässt, denn Bäume wachsen nicht erst an der Oberfläche, wo man sie mit der Zeit wachsen und emporragen sehen kann. Und wenn ein Baum erwacht, dann muss man schon sehr leise sein, um ihm beim Wachsen zuhören zu können.


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Tag 9/10

An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.

-Charlie Chaplin

Stille Welt

Freitag, 27. März 2020

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Guten Morgen!

Stille Welt

Atmende Welt

Singende Vögel

Ein Bus, ein LKW und ein PKW, dann aber kann man die Krähe vernehmen. Es drängt sich die Frage auf, ob die Vögel, ob das Getier unserer Welt in diesem Frühling lauter pfeifen als üblich, ob sie sich des Frühlings in diesem 21. Jahrhundert, ob es da notwendig ist aus kräftigeren Kehlchen zu pfeifen, weil der Frühling …, auf den kannst du pfeifen.

Die kleinen Knospen an meinem Baum vor meinem Haus nah an meinem Fenster, die interessieren sich wohl kaum für das Pfeifen, es liegt nicht in ihrem Interesse, ob es laut pfeift oder stille Winde wehen, ihr Frühlingstreiben bringt sie heraus und sie pfeifen drauf, ob des Frühlingspfeifen pfeifen laut.

Und auch die Sonne kommt von Rechtswegen von links und ganz ohne Pfeifen scheint sie hell; und merklich wird es allmählich wärmer, wenngleich eine ungewisse Kälte durch unsere Welt geht, die ich mancherorts mit einer Bedächtigkeit der Menschen sehe, die nichts von Kälte spüren lässt.

Es ist jetzt 7:26Uhr in der Frühe, die Krähen haben was zu sagen, reden wie der Schnabel ihnen gewachsen, die Tauben gurren und auch meine Eule – die ein Kuckuck ist – die wie immer nicht zu sehen ist, hat einen Einwand zu vermelden; dass die beim Vögeln singenden ohnehin bei aller Schau des modernen Frühlings mit an Bord sind, keine Frage alle Jahre.

Die Spatzen schwatzen, die Knospen wachsen, der Baum gedeiht. Es ist schon seltsam, wie der gediegene Baum gedeihen kann, ob seines Alters kranken Ranken-Äste, doch der Baum vor meinem Fenster hat so manchen Sturm erlebt, den letzten erst vor rundweg zwei Jahren. Man sieht dem Baum an, dass er viele seiner Triebe verloren und so manchen schattigen Zweig hat ziehen lassen, denn zu sagen, er habe seine Äste fallen lassen, nur weil sie schwach waren, ein Baum spricht solch Sachen nicht.

Ob die Stille der Welt ihm solch Wissen gibt? Ist das Wissen des Baumes, ob vor meinem Fenster oder andernorts Fensterbäume, ist es zu hinterfragen, was wir, in dieser Stiller gewordenen Welt für Fragen haben? Ein Schwatz vom Spatz, da pfeif ich drauf! Ein alter Baum und umwunden von vieler Jahre Wunden und auch Schmerz, doch in der Jahre Frühlinge ward es selten so leise und bedächtig in der Stille, ob am Morgen, ob am Abend.


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Die Stille dieses Frühlings

Tag 31/32

In der Früh fängt das Leben an!
An dieser Stelle ich bemerke, wie einzigartig mein Morgen doch gewesen ist, wie gut nur, dass ich ihn festhielt.


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An dieser Stelle ich bemerke, wie einzigartig mein Morgen doch gewesen ist, wie gut nur, dass ich ihn festhielt.

Sonntag, 19. April 2020

Guten Morgen!

Wenn man in den zurückliegenden 32 Tagen ein wenig von der Welt erfahren wollte, so sollte es einen hinausgerufen und gezogen haben; um dort die Stille zu erleben, genau der richtige Ort.

In der Stille erfährt es sich am besten und wenig ist so friedvoll, wie es in der Stille zu sein vermag; ein bemerkenswertes Auflauschen entsteht in mir, wenn ich dieser Tage die Frühlingsstille spüre.

Eine Last ist es, die sie zu nehmen und in unbekannte Freude verwandeln und sie einem zum Geschenk niederlegen kann, wie dass man sich am Abend ins Bette legt.

Betrachtet habe ich in den zurückliegenden 32 Tagen und gekostet habe ich und ich kann freimütig sagen, es war ein reichliches, ein üppiges und ein saftiges Mahl und Nachschlag gibt es auch.

Achtet die ruhigen Tage – das hat mir mein stoischer Baum gesagt – sie werden sich dem Menschen neigen und wieder zu dem werden, was immer sie waren bevor. Davor ist die Frage! Was macht einem die Stille?

Und die Stille, sie zu erreichen, so ist ein jedes und alle anderen Mittel allen Recht, sie zu spüren, sie zu fühlen und sie gleichsam aller Seele zu atmen und alles Leben zu erfahren, so reicht es aus, wenn man nur sein Fenster öffnet und man fremde Orte im Geiste sucht und besuchen will der Geist so viel an Freiheit, solange es nur Stille in einem Hort der Seele weiß und Herberge mit Namen heißt.

Man weiß viel über die Stille, über die Stille der anderen hat man allenfalls viele Fragen sich zu sagen. Was die Stille ihnen macht? Und welch Macht die Stille hat? Wohl aber weiß ich um die Macht, die einzig und nur die Stille hat, die sich in diesem Frühling meiner gedacht und angebracht und sacht, wie zart und gefühlvoller nicht hat aufbringen können.

Sagenhafter Frühling, der um sich greift und sich mit einem jeden Trieb und in aller Stille er aufrecht schlief, befasst und reifen lässt, wie dass mein Baum vor meinem Hause steht und in der Stille dieses Frühlings ist; der wie die entstehende Sonne des morgens ein golden Antlitz gleißt.

Ihr Tanz, denn sie vollführen und in einem schier unglaublichen Kraftakt aus sich heraus stolzieren, dass ein Zuhören wie Blätterrauschen im Winde ist, der vom Walde weiß.

Cafe, Chaos, Charakter!

Heute rauscht ein leichter Wind durch meinen Baum vor meinem Fenster und lässt die Blätter säuselnd sein.

Der Stille fügen. Sogar der Verkehr, der auf der nahen Straße, auch dieser fügt sich an und es ist ein ruhiger und stiller Sonntagmorgen; es ist gerade 7:39 Uhr. Und will ich denken an Morgen, so verweile ich in diesem Tage nicht, der da doch noch mit so viel Stille spricht und flüsterleise dem Tag aufwartet schön.

Einiges weiß ich, aber nicht viel von der Stille der Menschen, doch nach diesem Frühling, da aber weiß ich jetzt etwas über die Stille der Natur und ihren Zauber, jenen welchen sie mir mit sanfter Macht über die Schultern in den Kopf und ins Herz gebracht. Diese Stille dieser zurückliegenden Tage, diese sind mir „Corona-Solidarität“!

Richtig zu fühlen und zu schreiben, was ich gerade sage, ist erleben und ein Aufleben, wie nur das muntere Gezwitscher der Vögel einem in den Ohren liegen und einen ins Schwelgen bringt.

Stille Kraft, sie ist ein Erleben, dass sich auf feine Unzen heben und Lebensqualität benennen kann.


Von der ersten Zeile bis hierher und so viel ist mir dabei dann klar geworden. Ich werde einen Teil dieser Stille in mir erhalten, ob durch diese Worte, ob durch all die Fotos und Videos dieses Blogs oder, ob nur durch mein Erinnern, aber erhalten werde ich mir diese unglaublichen Kraft und Magie und Macht der erlebten Stille. Ich versuche Worte zu fassen, die binden können, was mir ein Glück bedeutet, dass ich es spüren und euphorisch miterlebe. Ein einziges Wort, dass all meine Gefühle, die schier verborgen waren hinter einem Schleier von lärmender Welt, dass erst ein Drastisches passieren musste, als dass ich es vernehmen kann.

Heute und aller Tage, ich sagte es bereits, aber ich wüsste gerne, wie es anderen damit geht. Konntet ihr diese Stille spüren? Sagt „Ja“ und meint nicht „Nein“. Wenn auch nur ein Hauch davon besteht, der ähnlich dem leichten Winde heute gleicht, wenn also nur ein Moment lang der Gedanke in euch gewesen ist, dass etwas an diesem aufbrausendem Frühling nicht wie die übliche Eieruhr getickt hat, dann habt ich die Stille eines einzigartigen Frühlings gespürt.

Immer will ich diesem Stillen zollen, was hat er gegeben; der Frühling meines Lebens, so will ich ihn Karten, wenngleich ein hoher Preis bezahlt sein wird. Denn denket nicht, mich ließe es kalt, was uns heimsuchend lahmgelegt! Bei aller abwesenden Komik und bei alle zweifelhaft maschierenden Tragik, es muss etwas für jeden von uns in diesem Frühling an Erinnerung zurückbleiben, was hilfreich und vielleicht eine Erinnerung wert ist, die man sich erhalten will. Die Stille dieser Tage ist noch nicht vorbei, die Tage der Könige und Königinen ist vorüberziehend und langsam, aber sie ist noch nicht vorüber, irgendwann nimmt die Stille dieser zurückliegenden 32 Tage seinen angestammten Platz wieder ein. Der Mensch und sein Wohlsein!

„Dar“ bedeutet im Kurdischen Baum, drum schenke und gebe ich diesen Gedanken.

Gideon Mate




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Tag 27/28

Der Wald?

Die Großstadt!

Tag 27/28

Der Wald?!

Die Großstadt!?

„Die Stadt ist der Wald des Menschen und der Wald im Menschen ist wie die Großstadt.“

Mittwoch, 15. April 2020

Sich des morgendlichen und pfleglichen Gewäsch zu widmen, welches uns in unsere Tage hineinbringt, ist eines jener wohlwollenden Dinge, die wir für uns tun können. Die Zeit, die wir miteinander verbringen und dabei doch alleine sind, ist ein kostbarer und wertvoller Schatz, ähnlich der Kostbarkeiten eines Baumes. In diesem Fall spreche ich von meinem Baum und ihr wisst es ja, wo dieser steht, aber dass er dort alleine steht, ist unschwer zu glauben und deshalb will ich auch erzählen, was neben meinem Baum vorhanden ist und mir ebenso wichtig erscheint, dass ich zum Glauben gelangt bin, das ein Baum allein noch keinen ganzen Wald ausmacht; so gelange ich zu den unterschiedlichsten Bäumen und den vielfältigsten Stämmen und habe die Art meines Baumes noch nicht einmal bestimmt.

Die Bestimmung eines Baumes, unserer Bäume, sie ist Teil der Erkenntnis, welche wir erlangen können, wenn wir uns auf den Weg in den Wald begeben. Ich zitierte dazu einen kurzen Auszug von Henry David Thoreau, dieser Mann beschloss einst, als es noch mehr Bäume gab als heute, also damals beschloss dieser Mann in die Wälder zu gehen, um dem Leben etwas abzugewinnen, von dem er noch nicht wusste und heute sitze ich hier und denke über seinen Beschluss nach, der mir meinen Wald beschert und ich Wagemutiger, ich hoffe darauf, dass ihr euren Wald auch betreten habt, so denn, da wir alle miteinander sind, so können wir die Wege der Wälder gemeinsam gehen. Was aber beinhaltet das Beinhalten? Bewusst gewählte Wege, sie führen auf bewussten Pfaden durch den Wald. Nun, hierbei handelt es sich um eine Allerwelts-Floskel, beinahe Phrase, aber erkenntlich wird die Frage nach endlichen Wegen, die noch nicht betreten sind.

Pfade liegen immer gerade vor einem, da man ist und wenn man, wie Beppo Straßenkehrer, immer an den nächsten Strich denkt, allerdings, wie kann man eine Straße gerade kehren, wenn der Pfad noch nicht vorhanden ist, so gelangt man seines Weges; nur ein wenig bewusster? Da herrscht die Schwalbe mit namen schweigender Essig. Was sind die Wege, die wir führen nach Gutdünken und gut Glück? Gut Glück dankt dem, der versucht und gewillt ist, sich führen zu lassen?

Gebeutelt sind wir gerade, weil unsere Pfade, die gerade eben noch daliegen und uns zu unseren Bäumen geführt haben, diese weilen an Ort und Stelle, wir allerdings auch. Ein Verweilen ist also das Gegenteil von eilen und darum kann es im Walde gehen, dass dem Enteilen dieser Welt, so gewollt entgegentritt, dass alle Eile nach hinten treten und im Schatten der Bäume verschwinden wird. Und der aufgekommene Frühling, dieses Allerwelts-Wetter und an dieser Stelle treffen wir das Wort des Tages – ja, es wird das Wort der Woche austauschen – doch um die Wetterlagen kümmern wir uns später. Es ging sich um die Wälder, in diese trat besagter Henry David Thoreau ein, um dort etwas zu suchen, von dem er annahm, dass er es nicht besaß. Besitzen wir Wälder von denen wir nichts wissen? Ausreicht unser Wissen über die Wälder? Kennen wir die Bäum, die um uns herumstehen? Und ich sitze hier an meinem Schreibtisch und nachdenke über den Namen des Baumes draußen vor meinem Fenster und klar wird mir, Namen und Bäume hat es viele und viele hat es auch, die nachdenken über Bäume, die denkend sind. Also ist der Mensch im Grunde, wenn wir nach der Art von Henry David Thoreau denken, auch ein Wald. Und so will ich diesen Gedanken bescheiden und hinaussehen in meinen Wald, der viele Blätter bekommen hat, die herrlich grün und taufrisch gefüllt sind mit dem Saft allen Lebens, namens…     

Ob Thoreau das damit gemeint hat?

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Tag 7/8

Der Bewusste Baum


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Der Bewusste Baum

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Der Baum vor meinem Haus.

Er reicht hinauf bis weit über mein Fenster und ist von tiefen Wurzeln aus dem Erdreich gehalten. Die Äste sind allmählich und bedächtig schwer werden sie von Tag zu Tag. Die Knospen, diese kleinen Köpfe, sie entwickeln sich wie der Fötus eines Babys und in den kleinen, noch winzigen Spitzen erwachen und herauswachsen sie gemächlich.

Ein bewusstes Drängen von Mutter Natur, die durch die kapillare Kraft Wasser durch den schweren Stamm hinaufsaugt, bis auch das letzte Geäst seine versorgende Quelle bekommen hat. Doch ist das nur ein Teil dessen, was Mutter Natur mit diesem Baum vor meinem Fenster macht, es fehlt dem edlen Gewächs noch an einer weiteren Zutat, es ist die schiere Kraft eines Gestirnes an unser aller Himmel, dieses entsendet täglich eine Macht, welche sich verbindet mit dem Baum, dem Wasser und der Luft. Es gibt dabei noch eine Vielzahl an Prozessen, die allesamt dazu führen, dass der Baum draußen vor dem Haus, in dem ich wohne, gewachsen ist und an Höhe gewonnen und alt geworden ist.

Man sieht dem alten Baum an, dass er im Laufe seiner Jahre viele Triebe an seinem Hauptstamm gehabt hat. Man sieht auch, dass viele dieser Triebe wohl zu schwer geworden und abgebrochen sind, manche sind vielleicht durch einen Sturm gebrochen und abgeknickt, manche waren möglicherweise einfach zu schwer und zu träge, dass der Baum sie nicht mehr halten konnte; einige waren vielleicht nur zu nah am Haus und wurden deshalb abgetrennt.

Stürme sind ein Prozess des Lebens, derer wir uns nicht erwehren können, indem wir sie ignorieren oder stumpfweg übersehen. Woanders hinsehen, während ein Sturm uns mit all seiner Härte trifft, verhindert nicht ,dass uns manch Ast auf den Kopf fallen kann, wenn wir unter einem Baum vor unserem Hause gehen. Dieser Tage trifft uns ein Sturm, er weht und steht und geht und wo er geht und weht, da steht der Mensch in einem Sturm der Wurzeln; die Alten und die Schwachen im Geäst, wohl hören wir das Knarzen und Knacken im Gebälk, noch hält der Baum mit seinen Wurzeln tief im Erdenreich verzweigt an denen fest, die zu ihm gehören, denn er ist ein Baum aus Wurzeln und Geäst an einem jeden Ast.

Mittwoch, 25. März 2020

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