Maske

Tag 55/56

Dienstag, 12. Mai 2020

Guten Morgen!

Bach am Morgen, ein bisschen Gezwitscher am offenen Fenster, dazu eine kühle von Feuchtigkeit durchwrungene Kälte, garniert wird das ganze in einem matten Himmelsblau, so kurz nach grau.

Harmonia Dei Fiori in B-Dur, ich finde das Tschilpen der Zilpzalp’s passt herrlich genau und den Vögeln scheint es musikalisch; mir hingegen erscheint mein Kopf eingefroren und leichtgrau. Bin heute, so wie es draußen scheint, nicht genau genug mit mir im Bunde.

Einzig mein Baum, der stumme Diener, der steht und nur feine schüttelt er die Blätter, als wolle er verneinen, dass ich mich heut in Vorrat gleichsam kränke, wenn ich in meinem Kopf herumwühle, weil die Welt da ist und mir viel zu viel geworden ist.

Ich bin aus der Ruhe, aus dem Tritt, nicht im Schritt, sondern im Gesamten, es hat keinerlei und wenig von der Welt, die in aller Welt zu Herrgottszeiten das Schreiten in Weiten maßvoll und gehaltvoll anerkennt; doch dieser Tage, da ist es nicht Allegro und d’accord gehe ich damit auch nicht.

Meinen Baum, den stört das nicht! Mich stört, die Maskerade, sie verdeckt den Menschen. Wie schade mag da einer sagen; sagen dies nun mehr, so ist es doppelt und auch schwer!

Aber, meinen Baum, den stört das nicht! Ich Teufel, wie kann ich auch verlangen, dass ich Gesichter sehe, wo nur Masken sind.

Stumme Diener, die wir geworden sind, sprechen schon süße Träume über Bäume, die stummer sind als Diener, die wir geworden sind!

Bei aller Tändelei, ich will immer wieder und auch immerfortlich an meinen Baum, gedenken will ich der Stille des Menschen, die verloren scheint, wenn der Mensch maskierter Mumpitz auf die Spitze treibt.

Umschreiben kann ich gerade und auch alles, doch in aller Deutlichkeit, es langt langsam an und es macht sich breit, was unter Masken nicht zu sehen ist; des Menschen Gesichter schauen nicht nur aus Augen und sind herzlich, es braucht das Kinn, es braucht die Wangen, sonst klingt B-Dur wie Würfel fangen.

Die Deutlichkeit der Worte, früher hob man allseits den Hut; heute hebt man die Maske nicht, um des Grußes Willen, es bleibt schlicht die Luft.

Tja, ich weiß ja nicht, aber ich bin ich und nicht allein?

Gideon Hate

Schöne Aussichten

Veröffentlicht von Gideon Mate

Was treibt an, macht Gedanken frei, um neue Fragen zu finden? Diese Art von Gedanken, die ich mir mache, seitdem Corona, ein heimsuchendes Miststück, über unseren Köpfen kreist, wie der Herr der Fliegen über einem Mastermind-Scheißhaufen. Viele Fragen, eine Menge Antworten und vieles Ungewisses sind die Treiber meiner Gedanken dieser Tage und die Kraft, aus welcher dieser Blog entstehen und vielleicht zur Hilfe und Unterstützung gedeihen wird.

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