Rituale

Tag 26/27

Dienstag, 14. April 2020

Ein solch pflegendes Ritual des morgens, das einem verhilft in seinen Tag zu starten, ist für jeden von uns einmalig; jeder hat dabei sein eigenes Vorgehen und seine eigene Geschwindigkeit, die uns allen so zu eigen sind, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen.

Aber genau das macht ein solches Ritual aus, es ist Teil unserer Wahrnehmung, Teil der Sicht, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen.

Und wenn ich dieser Tage meinen Tag damit starte, dass ich auf Ziegen starre – ach, quatsch, dass war ja der Clooney – aber ich starre im Grunde auch und bei mir ist es ein Baum, der mich begleitet in diesen Tagen.

Ich habe diesen Baum seit 27 Tagen wachsen sehen, nun im Grunde sah ich die Triebe an seinem Astwerk wachsen – und im Grunde ist das Wort der Woche – aber zuzusehen, wie sich an einem jeden Ast die Triebe aufbringen und entfaltet haben, war mir ein morgendliches Ritual und bisher pflegte ich dieses Ritual 27 Mal und daraus hat sich, wie ich doch finde, ein anregendes Gesprächsthema ergeben.

Und ist ein solches Gespräch nicht auch Ritual, wenn wir es mit all jenen haben, die uns zu eigen sind? Rituale sind kaum spürbar, solange sie möglich und vorhanden sind, so dass wir ihren Regeln, die ja unsere Regeln sind, weil wir diese Ritual kreiert haben, um uns ein Leben zu geben, welches Spaß, Freude und Bedeutung hat.

27 Tage starre ich nun meinen Baum, der da immer noch vor meinem Fenster steht und fest verwurzelt ist beim Frühlingen zu – die grammatikalische Korrektheit – den Baum stört dies nicht.

Und wenn ich mir all die vielen Bilder ansehe, die ich in dieser Zeit gemacht habe, so sehe ich mehr, als mein Wort starren kann. Ich erkenne das kleine Ritual, welches ich erschaffen und welches sich mir gegenüber geöffnet hat an.

Also ist mein Baum auch eine Bezeichnung, die mehr nur ist als ein Baum. Wenn ich nun noch die Ruhe hineinbringe, die ich vernehme, so ist die morgendliche Stille geprägt vom Zwitschern der Vögel, gerade jetzt sind es einige Zilpzalpe und die Kohlmeise übernimmt und wenn zwischendrin der Kuckuck sich einbringt, dann ist der Tag über den Kamm

Und wohl weiß ich, die Sonne steht im Osten auf und mein Baum steht vor meinem Fenster, ich kann beides jeden Tag sehen und wenn ich jemandem von diesem Erleben erzähle, so teilen dieser jemand und ich vielleicht für eine Weile die gleiche Wahrnehmungsebene. Und ganz gleich, wie weit wir uns aus unserem Fenster lehnen müßen, wir erreichen den Baum zwar nicht, ohne dass wir aus dem Fenster fallen, aber der Baum vor unserem Fenster ist immer da.

Gideon Mate

Veröffentlicht von Gideon Mate

Was treibt an, macht Gedanken frei, um neue Fragen zu finden? Diese Art von Gedanken, die ich mir mache, seitdem Corona, ein heimsuchendes Miststück, über unseren Köpfen kreist, wie der Herr der Fliegen über einem Mastermind-Scheißhaufen. Viele Fragen, eine Menge Antworten und vieles Ungewisses sind die Treiber meiner Gedanken dieser Tage und die Kraft, aus welcher dieser Blog entstehen und vielleicht zur Hilfe und Unterstützung gedeihen wird.

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