Zeitumstellung

Tag 11/12

Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment. (Buddha)

Bezug zum Zitat nehmen!

Sonntag, 29. März 2020

Guten Morgen!

Krähen! Sie streiten, sie krächzen, ob sie nun miteinander streiten, ob sie miteinander auf ihre Weise kommunizieren; Amseln und Braunkehlchen singen im Revier, sie alle stecken ihren Platz untereinander ab, die Zeitumstellung steckt nur ab, wann für uns der Tag beginnt, da der Frühling kommt.

In diesem Jahr ist es anders, die Straßen sind verwaist, auf ihnen lässt sich an diesem Sonntagmorgen kaum ein Auto hören; die Welt fährt bleifrei.

Zeitumstellung! Frühlingserwachen! Stillstand! Sie alle sind Teil von dem, was uns schlafwandlerisch überrollt hat und fernab aller greifbaren Gedanken zu liegen scheint. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann die Welt das letzte Mal so erfüllt und getragen war von solch angenehmer und natürlicher Stille, vor mir liegt sie, gerade da ich bin und der Gesang der Vögel lauscht sich, als sei er lauter geworden, als seien die Kehlen der Natur kräftiger und ohne, dass der lästige Lärm des Menschen sie übertönt und mich überrollt, fühle ich mich stärker, kräftiger, ziehe die Schultern an und atme tief ein und nur die Stille und ich sind hier, da und dort, nur die Stille niemals fort! Zeitumstellung, Frühlingserwachen, Stillstand, sie alle sind Teil dieser Stille, die zu verdeutlichen, ich mir auf die Fahne geschrieben habe, da sie alles für mich deutet, was von reiner Bedeutung ist.

Es mag auffallend sein, dass man mehr hört, wenn es ruhiger um einen herum ist. Wir Menschen stellen Zeiten um, halten uns an Zeiten, denken in Zeiten und wir wissen, wann es Zeit ist, doch interessiert sich „Corona“ dafür, dass es gerade jetzt Zeit ist für den Menschen hinaus in den frischen Frühling zu gehen?

Man kann nicht sagen, dass es einen langen Winter gehabt hat, es war einfach nur etwas kälter und dunkler und grau, grau vor allen Dingen. Aber nun, da wir wieder mehr vom Licht bekommen, weil die Zeit es uns erlaubt, weil Mutter Natur sich das so ausgedacht und wir Menschen dabei mitmachen, einfach, weil es unserer Natur entspricht, da aber ist es, dass wir unsere Gedanken anfüllen und überschwemmen mit der Biblischen Bassbox der Apokalypse; mag sein, dass ich das in einigen Wochen anders sehe, aber gerade heute, da ist es mir so wichtig, wie dass die Stille und die Bedeutung deutlich in mir aufschreien und sich wichtiger machen, als sie es bisher für mich waren. Um das Eine zu verstehen, muss das Andere ebenso in Betracht gezogen werden.

Der Stillstand, der vom Menschen gemachte Stillstand, dem wir alle unterliegen und wir nur mehr von dem haben, was wir Zeit nennen, entfacht in uns allen den Drang und den Wunsch dem „Gewetter“ – den von Wetter kann hier nicht die Rede sein – wir also folgen dem „Gewetter“, weil wir das nicht unbedingt vollkommen frei machen können, weil nicht dürfen angesagt ist.

Und wenn die Straßen jetzt frei sind, freier als wir uns vielleicht fühlen und die Wohnungen angefüllt sind mit unfreiwilligem Alleinsein, mit sich sein, dann drängen wir hinaus, als hätten kömische Hösen Bewegungsdrang.

Geht man dieser Tage hinaus in die Natur, so trifft sich der Mensch gar pur. In den Wäldern gehen sie entlang, sie spazieren und flanieren und gehen sich aus dem Weg, soweit es irgend möglich ist, aber jedem ist es bewusst, denn auch im Wald, wo sich der Mensch nun tummelt, ist es erfüllt von einer Ruhe und alle Meter Stille, die jedem, der sie erlebt aufgefallen sein wird; ich spreche das so deutlich an, als dass ich hoffentlich bin, darüber dass allen diese Stille aufgefallen ist. Die Dinge in den Zerspiegel zerren und ins Bindeglied des Verstandes biegen und beugen und mit gebrochenen Teilen hineindrücken und pressen will ich, weil mein Verstand nicht begreifen kann, wie still und fein die Stille doch zum Verstande kommen kann und den Menschen – mich – aus dem unbewussten Hause, den unbewussten Walde, der unbewussten Höhlen holen kann.

Ob die Zeit dabei eine Rolle spielt(?) und der Mensch aus seiner Rolle fällt und wie er seine Rolle spielt, nun wir werden es erleben, denn ein jeder von uns ist hierbei kein Statist, wir sind die Protagonisten der Geschichte, die Geschichte ist der Plot unserer Geschichte, also schichte ich Schicht um Schicht, bis dass die Geschichte zur Geschichte spricht. Und wenn ich 100 Tage lang wiederholen und mich immer und immer wieder darauf stürze, wie der Falke vom Himmel stößt um seine Beute zu fangen, so werde ich nimmermüde sein, geständig und beständig darauf aus zu sein, dass ich einen Weg finde, diese unmittelbare Einkehr eines Fluidums in meinen Geist zu beschreiben, der in der Stille sich so nah erfahren hat, dass er keine Angst mehr hatte.

Ist der Mensch ruhiger, in sich gekehrter, weil er nun Zeit für sich hat, sie neu entdeckt? Empfindet er anders, weil er dem Stress und der Hektik des Alltags entflohen ist? Oder ist die Zeit weder für die Hektik noch für den Stress verantwortlich?

Eines können alle nicht bestreiten, der Frühling wandelt die Welt der Wälder; die Wälder wandeln alle Jahre und wir wandeln öfter als in allen Jahren durch die Wälder unseres Verstandes nicht nur.

Bei allem, was es gerade ist, es besinnt den Menschen zu tun, was zu tun ist und ein jeder tut, wie er tun kann und will, weil Zeit er gerade hat.

Wie still die Welt doch geworden ist!? Gedanken erfassen den Menschen befassen ihn und fassbare Zeit er vor Augen sieht. Denkwürdig ist diese unsere Zeit, in der wir mehr zu haben scheinen, als wir uns vor Augen halten können.

Halten wir stille und vernehmen den morgendlichen Klang und Gesang der Welt, lauschen und hören wir und vielleicht spüren wir unser Herz in unserer Brust schlagen, fühlen, wie der Puls pulsiert; und das unser Blut durch uns hindurchfließt, das passiert an allen Tagen keine Frage, die Zeit hingegen schlägt den Puls nur bis zum Ende unserer Tage; und wie bis dahin unser Herz schlagen wird, zu einem gewissen Teil können wir unseren Herzschlag bestimmen.


Veröffentlicht von Gideon Mate

Was treibt an, macht Gedanken frei, um neue Fragen zu finden? Diese Art von Gedanken, die ich mir mache, seitdem Corona, ein heimsuchendes Miststück, über unseren Köpfen kreist, wie der Herr der Fliegen über einem Mastermind-Scheißhaufen. Viele Fragen, eine Menge Antworten und vieles Ungewisses sind die Treiber meiner Gedanken dieser Tage und die Kraft, aus welcher dieser Blog entstehen und vielleicht zur Hilfe und Unterstützung gedeihen wird.

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