„Corona Solidarität“

‚Ein City Upgrade‘

Die Sonne scheint. Der wolkenlose Himmel ist ein tiefes Einatmen, herbeizitiert er förmlich fröhlich den Frühling und ist sogar höflich und lässt die Welt erstrahlen, wie es nur der Frühling zu tun vermag. Es ist Freitag, es ist nicht nur Freitag, es ist ein freier Freitag für viele dieser Erde. Die Welt gewährt dem Menschen eine Auszeit! Heute ist der 27. März 2020 und heute ist nicht irgendein Freitag, es ist der neunte Tag unserer Auszeit. Und so, wie die Sonne am Himmel wolkenlose Feste feiert, so kann der Mensch in uns an diesem Freitag, es ist gerade um die 12. Stunde, dieses Genießen im Stillen sehen. Ein City Upgrade fernab allen Lebens und doch so mittenmang allen Lebens.

Das der Gaben-Zaun die Menschlichkeit gelebt, erlebt und dabei doch in die Ferne gerückt ist, erscheint uns moderiert dargestellt. Solidarität erhebt sich im Menschen, wenn das Nötigste von ihm gefordert ist, wenngleich die Ferne und Distanz zum Nächsten geforderte Tagesordnung ist!

Tag 1

Gehen wir gemeinsam zurück zum eigentlich Anfang.

Es ist Mittwoch der 18. März 2020! Dort beginnt die Stille der Welt zu schweigen, ein Schweigen, welches in aller Stille gemalt und porträtiert ein Bild vom Menschen abzeichnet und sich als Abziehbild präsentiert.

Alles, was dieser Tage durch unsere Straßen geht, läuft irgendwie anders. Wissen wir voneinander? Wie umgeht der Virus uns Menschen? Einen Umgang finden!? Ein Virus, lahmlegt er die Gesellschaft des Menschen! In den Geschäften sehen Menschen leere Regale an und sie greifen zu, sobald auch nur ein Artikel vorhanden ist. Es sind befremdliche Bilder, sie alle sehen uns, zeigen uns den Menschen. Toilettenpapier und Küchenrollen sind plötzlich so oft auf unseren Einkaufszetteln, dass das Personal den Karton nur noch aufmacht und geöffnet stehen lässt.  Befremdliche Bilder, die der Mensch dem Menschen zeigt, sich sehen lassen. Was aber bewegt so viele Menschen zu Hamsterkäufen? Keiner weiß es? Jeder weiß es und alle sind so sehr mit sich beschäftigt, dass sie nicht sehen, was besonders in Zeiten wie diesen wirklich wichtig ist. Die Corona-Solidarität, sie ist es die Angst hat, davor nicht schnell genug Ausbreitung und Schrecken zu verbreiten, weil wir Menschen dann die Möglichkeit erhalten uns für einen Moment zurückzunehmen und einzugestehen. Möglicherweise ist einzugestehen, nichtzutreffend genug, nicht packend genug; hier findet es sich passender, wenn es einstehen wird. Der Virus hat Angst, wir haben sie auch, ich habe sie; aber was uns nach vorne bringt, ist, dass wir zusammen „Corona Solidarität“ haben werden, wenn wir bereit sind über den kleinen Schatten unserer Angst zu springen. Vermutlich werden sich jetzt viele die Frage stellen: War einzugestehen nicht doch die treffende Formulierung?

Tag 2

Freitag, 20. März 2020

Es ist noch früh an diesem Morgen. Ein Freitag, von dem sich noch zeigen wird, ob er ein Freitag wie immer ist. Die Geschichte der Menschen beschreibt sich nicht an einem Tag und die Geschichte klar zu umfassen, gerade da sie geschieht, geschah niemals, aber es gab und wird immer Tage geben, die wie dieser Freitag gewesen sein werden. Unsere Geschichte bekommt ein Kapitel geschrieben, doch nicht der Mensch mit der Feder in der Hand schreibt an diesem Kapitel, es ist, so hoffe ich, Mutter Natur, die Schriftführende an diesem neuen Kapitel der Geschichte des Menschen; sie ist es, so ist zu hoffen.

Die Welt ist dieser Tage eine stillere Welt, sie schweigt allmählich und sie wird zurückgeführt zu ihren ureigensten Tönen, wenn man sein Fenster öffnet, kann man die Stille von Mutter Natur hören. Möglich man merkt und spürt in sich auch etwas, etwas das nicht nur mich aufwühlt und möglich, dass es anderen ebenso geht. In diesem Kapitel der Geschichte unserer Welt geht es auch darum, dass die Schlimmste aller menschlichen Strafen viele von uns trifft und bereits getroffen hat. Einsamkeit & Angst. Ein „allnatürliches Gefühl“, welches sich einstellt, um uns bei Gefahr in einen Handlungsfähigen Zustand zu versetzen, doch ist die Angst ein schweigsamer Feind, der in vielen Sprachen zu sprechen vermag und dabei ein noch besserer Zuhörer ist, der schweigend in einem wartet und geduldig bleibt bis zum Morgengrauen. Mag ich mit einem Recht behalten, es ist Freitag und es ist noch früh am Morgen und doch sind meine Gedanken in dieser Welt bei all denen, die diese Zeilen lesen. Ihr seid nicht allein. Wir sind nicht allein. Du bist nicht allein.


Tag 3

Samstag, 21. März 2020

Und nichts ist schlimmer, als in der Einsamkeit seiner Angst zu sein! Einsam zu sein kann Ruhe verschaffen, kann ein Verschnaufen vom Alltag sein, ist sie aber auferlegt durch widere Umstände, so birgt sie ein „Fratzen-Fatze“ der Gleichgültigkeit in einem. Damit ist nicht gesagt, der Mensch solle dem alltäglichen unserer Tage mit wohlwollendem Gleichmut entgegentreten und achselzuckend gleichgültig entgegensehen. Auch ist damit nicht gemeint, der Mensch, wir Menschen sollen nur auf uns sehen, um in diesen Tagen gleichmütig darauf zu warten, dass dieser klagende Plagegeist an uns vorübergezogen ist, denn die Wahrheit ist, ein Alpgespenst mit Fratzen-Fatze ist zum Tanzen aufgelegt. Wir werden ihm einen Tanz und die Stirn bieten, indem wir „Corona Solidarität“ aufs Parkett legen und schwungvoll dabei sein werden. Unser Gleichmut wird schwermütig, unser Wohlwohlen wird ein zaghaftes Lächeln, ein leichtes Kopfnicken, ein freundliches und kurzes, aber dafür ehrliches Wort wird ein Wegbegleiter sein.

„Ich traf heute eine ältere Dame im Supermarkt, sie empfahl mir einen Apfel, einen von der Sorte, welche ich normalerweise nicht esse, aber ihr freundliches Empfehlen und gerade jetzt esse ich diesen Apfel namens „Kiku“ und denke an diese ältere Dame und denke daran, wie freundlich sie gewesen ist. Erzählen will ich euch davon, dass ich momentan Unsicher bin, ich habe Angst, empfinde Unsicherheit und das diese kleine Geste dieser älteren und sehr freundlichen Dame dafür spricht, dass wir dieser Tage, wenn unsere Begegnungen auch nur von kurzer Dauer sein mögen, wir aber immer noch zu einem kleinen Element des Höflichen fähig sein können. Der Apfel aber, dieser schmeckt wahrlich gut und lecker liegt er auf meinem Gaumen; er isst sich fruchtig, ist dabei fest und saftig und die Erinnerung an jene ältere Dame trägt mir geradezu, was ich niederschreibe. Eine freundliche Geste, ein zaghaftes Lächeln, ein Verharren beim in die Augensehen und meine Angst zaudert in mir, weil ich für diesen einen Augenblick vergaß, dass ich sie verspüre und sie mich momentan begleitet. „Probieren sie diesen Apfel, es gibt ihn nicht oft, er schmeckt süß und saftig.“ Dies waren ihre Worte, einfach und in ihrer Schlichtheit bemerkenswert. „Vielen Dank“, erwiderte ich und die ältere Dame verschwand, der Geschmack des Kiku-Apfels liegt mir aber noch immer auf meiner Zunge, bitter nur, dass ich sie im Vorbeigehen und nicht aufmerksam ansah.


Zu schreiben, was in vielen Köpfen mitschwingend ist, fällt nicht leicht, denn für manche wird es der letzte Tanz sein.

Veröffentlicht von Gideon Mate

Was treibt an, macht Gedanken frei, um neue Fragen zu finden? Diese Art von Gedanken, die ich mir mache, seitdem Corona, ein heimsuchendes Miststück, über unseren Köpfen kreist, wie der Herr der Fliegen über einem Mastermind-Scheißhaufen. Viele Fragen, eine Menge Antworten und vieles Ungewisses sind die Treiber meiner Gedanken dieser Tage und die Kraft, aus welcher dieser Blog entstehen und vielleicht zur Hilfe und Unterstützung gedeihen wird.

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