Routinen & Erkenntnisse

Tag 60/61

Sonntag, 17. Mai 2020

Guten Morgen!

Da mich mein Baum so fabelhaft zu beschäftigen und zu geschäftigen Gedanken getrieben hat, wie er seine Triebe ausgetrieben hat, da der Frühling uns erreichte, so habe ich daraus eine Routine werden lassen, doch wird eine jede Routine auch schnell zum Alltag.

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als könne man sich dem Alltäglichen nicht entziehen!?

Wenn man sich dem Alltäglichen, den Gedankenmustern, den Strukturen unterwirft, da es letztlich nicht ohne diese Routinen geht, dann erkennt man irgendwann ihren Nutzen.

Aber haben alle Routine einen Nutzen? Nutzen sich Routinen ab? Wie durchbrechen Routinen unseren Alltag? Und wie durchbrechen wir unsere ablegbaren Routinen?

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als gebe es mehrere Formen der Routinen!?

Nützliche von Gebrauch, brauchbare von Nutzen; regelmäßig anwendbare, unregelmäßig ablegbare; und bar jeder Erkenntnis, es sieht aus, als gäbe es noch viele weitere, doch will ich mich an dieser Stelle nicht ins Schwert meines Verstandes stürzen und unsinnig werden.

Ich denke, derweil ich meinen Blick wieder hinausgleiten lasse und meinen Baum heute Morgen leise mit seinen Blättern rascheln höre, da der Wind durch ihn fährt, ich werde diesen Gedanken langsamer angehen, um auch nichts von ihm zu übersehen oder gar vorschnell zu sein.

Um die Konsequenz einzuhalten, es gibt „nützliche“ und „unnütze“ Routinen und ebenso kann man es halten mit der Erkenntnis!?

Jetzt hat mich mein Baum aber auf eine Reise geschickt! Ein Teifelskerl’e! Mein Baum bringt mich an machbare und denkbare Positionen, von denen aus das Alltägliche gut zu durchleuchten ist.

Die Schwierigkeit der Routine, jene eine, welche mir gerade ins Genick springt und aufhockend gnadenlos ist, reicht mir den Fehdehandschuh und spricht: Ich bin doch die Nützliche; die Unnütze natürlich bleibt stumm. Wie dumm für uns Routiniers, dass wir unsere Routinen so gut kennen, als dass wir sie von uns geben wollen.

Mir reicht es nicht, dass ich meinen herrlichen Baum, diesen stummen Diener meiner morgendlichen Gedanken anschaue – nein – nun muss ich da auch noch hinaufklettern.

Denn, wenn ich den Gedanken so begehe, dann – ojemine – davon zu denken, spricht’s nicht leichter aus, aber über die Erkenntnis hinausgelangen, dass, so bläut es mir mein Bäume – nun falle ich auf die Routine rein – kann man zur Routine werden lassen und einmal damit angefangen, so will man sich bestimmt nicht mehr davonlassen.

An dieser Stelle, bitte einen Ablassbrief für meinen Gedanken, der mir da zu Rate geht!

Gideon Mate

Eitler Sonnenschein

Tag 33/34

Dienstag, 21. April 2020

Guten Morgen!

Ich weiß nicht, wann ich der Sonne, ihrem Lauf, dem Wachsen der Bäume und dem aufkommenden Frühling, wann ich einem oder auch nur allen einen solchen Blick gegönnt habe, wie ich es in den letzten Tagen gemacht und wiederentdeckt zu haben scheine.

Wohl liegt es an mir, dass ich mein Betrachten der Welt vernachlässigt und ich weniger auf die Schönheit unserer Welt geachtet habe, als dass ich es zurzeit als meinen schönsten Zeitvertreib ansehe – es zum Schönsten mache – was der Tag zu bieten hat, ist mir ein Vergnügen.

In seinem Dasein und nun meine ich wieder meinen Baum, der in seinem Stand, der mir so leicht und einfach erscheint, dass ich darüber bereit bin, mir ordentlich viele Gedanken zu machen, welche ich vorher und früher nie gehabt habe.

Ich sah meinem Baum beim Wachsen zu, sah wie seine Blätter sprossen und sah wie Grün der Schatten vor meinem Fenster wurde, ein tatsächliches Geschehen zu beobachten und sich seiner dabei gewahr werden, ein wohliges Erlebnis.

Also will ich die Frage danach nochmals stellen. Wann habe ich der Natur das letzte Mal Aufmerksamkeit gewidmet und mich von ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt aus meiner Einfalt herausholen lassen? Nun, wir kennen diesbezüglich eine Antwort, doch will ich aus meiner Einfalt heraus und will wieder zurück auf die Straßen des Waldes kehren, der mir dieser Tage des 21. Jahrhunderts um so viel reizvoller und einspielender ist, als dass er es vor dem 18. März 2020 gewesen ist.

Ob und wie viel mein Baum nun größer geworden ist und er an Höhe gewonnen hat, dies alles geschieht nur in meinem Kopf, da die Vermessung eines Baumes ein Gedanke ist, welchem ich mit den Augen folge und folglich bin ich dabei kein Metermaß und auch kein Zollstock, doch zolle ich dem Baum eine Aufmerksamkeit, die mich in den Genuss und den Zustand und dabei ist der Genuss zuständig für mein Wohlbefinden, versetzt, als dass ich darüber Zeit mit ihm verbringe, die mir vorher und früher dafür gefehlt hat.

Ich hab ein Fehl an mir getan, als ich annahm die Sonne sei für mich heikel!

Und nun in „Corona-Solidaritaets“ Manier, es bringt mich dieses Großereignis an den Punkt der Zeit, da ich von dieser mehr zu besitzen scheine, als dass ich vorher den Grauen Herren von der Zeit Bank gegeben habe. Und so erscheint mir die Geschwindigkeit, mit welcher mein Baum sich in den Frühling einbringt klarer zu werden.

Und da ich manchmal geneigt bin meinen Gedanken das Vorfeld zu überlassen, so schwanke ich hin und manchmal mit Sinn.

Was die zuständige Zollbehörde diesbezüglich meint, ist von der Sonne durch Wolkenfelder klare Sicht zu erhalten, ansonsten sei dies Steuerfrei. Und so kommt steuerfrei und feuerfrei zur steuerei dieser Situation, die uns in eine Ruhe und Stille befördert hat, die viel freien Willen und jede Menge Gedanken eingebracht und uns womöglich zum Baum vor unserem Hause geführt hat.

Wohin führt die Stille, wenn wir schweigen und bei ihr bleiben?

Gideon Mate


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Maske

Tag 55/56

Dienstag, 12. Mai 2020

Guten Morgen!

Bach am Morgen, ein bisschen Gezwitscher am offenen Fenster, dazu eine kühle von Feuchtigkeit durchwrungene Kälte, garniert wird das ganze in einem matten Himmelsblau, so kurz nach grau.

Harmonia Dei Fiori in B-Dur, ich finde das Tschilpen der Zilpzalp’s passt herrlich genau und den Vögeln scheint es musikalisch; mir hingegen erscheint mein Kopf eingefroren und leichtgrau. Bin heute, so wie es draußen scheint, nicht genau genug mit mir im Bunde.

Einzig mein Baum, der stumme Diener, der steht und nur feine schüttelt er die Blätter, als wolle er verneinen, dass ich mich heut in Vorrat gleichsam kränke, wenn ich in meinem Kopf herumwühle, weil die Welt da ist und mir viel zu viel geworden ist.

Ich bin aus der Ruhe, aus dem Tritt, nicht im Schritt, sondern im Gesamten, es hat keinerlei und wenig von der Welt, die in aller Welt zu Herrgottszeiten das Schreiten in Weiten maßvoll und gehaltvoll anerkennt; doch dieser Tage, da ist es nicht Allegro und d’accord gehe ich damit auch nicht.

Meinen Baum, den stört das nicht! Mich stört, die Maskerade, sie verdeckt den Menschen. Wie schade mag da einer sagen; sagen dies nun mehr, so ist es doppelt und auch schwer!

Aber, meinen Baum, den stört das nicht! Ich Teufel, wie kann ich auch verlangen, dass ich Gesichter sehe, wo nur Masken sind.

Stumme Diener, die wir geworden sind, sprechen schon süße Träume über Bäume, die stummer sind als Diener, die wir geworden sind!

Bei aller Tändelei, ich will immer wieder und auch immerfortlich an meinen Baum, gedenken will ich der Stille des Menschen, die verloren scheint, wenn der Mensch maskierter Mumpitz auf die Spitze treibt.

Umschreiben kann ich gerade und auch alles, doch in aller Deutlichkeit, es langt langsam an und es macht sich breit, was unter Masken nicht zu sehen ist; des Menschen Gesichter schauen nicht nur aus Augen und sind herzlich, es braucht das Kinn, es braucht die Wangen, sonst klingt B-Dur wie Würfel fangen.

Die Deutlichkeit der Worte, früher hob man allseits den Hut; heute hebt man die Maske nicht, um des Grußes Willen, es bleibt schlicht die Luft.

Tja, ich weiß ja nicht, aber ich bin ich und nicht allein?

Gideon Hate

Schöne Aussichten

Taschenlicht

Tag 30/31

Manchmal, wenn einfach nichts zu sagen ist…





Auch nach Tagen und Wochen ist dieses Bild noch immer eine sagenhafte Erinnerung.
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Taschenlicht

Samstag, 18. April 2020

Guten Morgen!

Der Specht klopft, so ist’s recht. Die Sonne war pünktlich über dem Kamm im Walde zu erspähen, bereits vorher hatte ich eine Ahnung vom Licht. Erst aber graute es noch und als ich losfuhr mit dem Rad, da war es noch dunkel, aber ich hörte schon ein paar Amseln, die sich vorsahen und der Sonne entgegen.

Zeit hatte ich und Stille lag in der Luft. Kalt war es und gerade eben hell genug, so dass ich ohne Lichter fuhr. Es ist nicht so, dass ich keine Lichter hätte, ich hatte ein rotes Rücklicht und meine Vorderleuchte in der Jackentasche, die Vorrichtung fehlt. Da Eile geboten war, weil mir eben das Licht der Sonne als größere Leuchte geeigneter schien, nahm ich in Kauf, weniger gesehen zu werden und fuhr los. Auf den Straßen war kaum Verkehr und meine grell gelbe Jacke und ich, wir waren uns sicher, dass uns kein Auto übersehen sollte. Und wo kein Verkehr, da auch kein Risiko.

Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es mir ja um das Lichte ging, und um 5:28 Uhr, da hat es schon einen leichten Sonnenschimmer, und deshalb ist es dunkel nicht. Der größte Teil der Strecke geht ohnehin um diese Uhrzeit an einer Stelle vorbei, die weniger befahren ist als am Tag. Und da dieser Tage weniger Fahrten nötig sind als erlaubt, da ist die Straße frühmorgens freier als nötig. Ich schaute hinauf in den Osten, denn von dort erwartete ich das große Ereignis. Ein Großereignis, welches spricht vom Sonnenlicht und jeder Wicht wird wagen zu sagen, was spricht’s vom Sonnenlicht.

An dieser Stelle reiße ich mich zusammen; und ich durchforste all meine Erinnerungen und kann sagen, dass ich es wohldurchdacht habe, aber das Wissen, wann ich je der Sonne bei ihrem Einmarsch in diese Welt zugesehen habe, das habe ich nicht. Desweiteren gebe ich zu bedenken, dass ich, als ich losfuhr, nur dem Sonnenaufgang beiwohnen und ihn einfangen wollte. Wie man Erinnerungen schafft? Das war mir dabei nicht im Kopf, erst das Erinnern zeigt mir die Richtung.

Erst jetzt, da ich hier sitze und verfasse, was mein Verstand mir zuflüstert und meine Sinne mir in Erinnerung rufen, da erfahre ich diesen Sonnenaufgang nochmals und überdauernd überkommt es mich. Ich hatte mich eiligst in den Wald begeben, um zu erfahren, wie es in der Stille des Waldes am frühen Morgen ist und um mit der Sonne zu erwachen.

Das Aufblitzen des Sonnenlichts über meiner linken Schulter schubste mich aus dem Denken ins reine Sein, da mich erst dieses Aufblitzen der Sonne aus dem Alltäglichen des Lebens herausholte und mir derart ins Auge fiel; und für einen Moment war ich geblendet, wie es nur eine Taschenlampe, die plötzlich aus dem Dunkeln heraus aufleuchtet uns zu blenden versteht, als dass dieses Schubsen einer zärtlichen Umarmung des Waldes glich.

Das Erfahren dieser Welt – diese ist es dieser Tage, die mir komisch ist, die Sonne und ihr Lauf sind es nicht und wenn man frühmorgendlich vor dem Sonnenlicht Radelt, dann spürt man womöglich, klein wie ein Taschenlicht, wie es vom Großen spricht; auch im Besonderen dieser Tage liegt womöglich ein Taschenlicht verborgen.

Gideon Mate


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The sound of silence

Die Stimmung aus der Stille



  • Taschenlichter

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Der Stille wegen

Tag 51/52

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Es gibt vielerlei Lärm. Aber es gibt nur eine Stille.

-Kurt Tucholsky


Freitag, 8. Mai 2020

Guten Morgen!

Über die Stille nachzudenken, sich Gedanken darüber zu machen, wie es sich anstellt, das Gedanken-Machen. Und diese, um einen Baum zu wickeln, als sei mein Gedanke ein Wickeltuch der Wärme; so komme ich nicht umhin zu erkennen, dass allein der gedankliche Aspekt schon einen Teil der Stille erschafft, von welchem ich so angetan und geschäftig dieser Tage bin, als dass ich die Finger nicht von dieser leckeren Köstlichkeit lassen will.

Und auch versteckt, aber dennoch sichtbar, ist ein anderer Aspekt, welcher mir erst in diesem Augenblick klar und erkenntlich vorzeigbar erscheint und es gut mit mir meint. Das Schreiben!

Nun erhält das Pflanzen eines Baumes, eine Bedeutung, die ich durch meinen Baum vor meinem Fenster verständlicher finde und darauf hoffe, dass sich durch mein Gedanken-Gang und Gedanken-Gerüst, dass sich daraus nicht nur ein Blick auf die Sache, also auf die Stille legt, sondern, dass sich daraus auch eine Erkenntnis herausbildet, welche mir bleiben und aus der ich Kraft schöpfen und Ruhe finden kann, wenn ich sie einstmals brauchen werde.

Mögen sich andere Gedanken daran anschließen.

Dadurch ergibt sich mir die Motivation, mit welcher ich zu Werke gehe und durch die meine Feder und Schrift und Stil zwar nicht zu Papier, aber immerhin in Worte gefasst auf einem Bildschirm aufleuchten und sich abheben werden.

Mein Wunsch ist, dass meinem Gedanken jemand folgen mag und sich in seiner Gedankenwelt seinen Happy-Place erschaffen und erhalten kann, gerade in Zeiten, in denen es Merkwürdigkeiten gibt, die selten sind.

Und wieder kehre ich zurück zu meinem Baum vor meinem Fenster und ich höre den Kuckuck und wieder kann ich ihn nicht sehen, dennoch ist er da und morgen wird er auch wieder da sein und wieder werde ich ihn nicht sehen.

Manche Dinge sind sichtbare Elemente und bergen unsichtbare Talente und manch unsichtbare Talente bergen Gipfel voller gedanklicher Elemente, derer wir uns öffnen können, um sie zu uns zu holen.

Und der Stille wegen…

Gideon Mate   


Tag 10/11

https://coronasolidaritaets.net/2020/04/19/tag-30-31/
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Samstag, 28. März 2020

Guten Morgen!

Ein Wachsen, ein Treiben von Trieben an den Verästelungen meines Baumes vor meinem Fenster, deutlich kann man es wahrnehmen, wie der treibende Frühling, angefeuert vom Sonnenlicht des wachwerdenden Frühjahres, wie er in jede Knospe hineinlangt, doch Bäume wachsen nicht von den Knospen an in den Boden.

Der Mensch erwacht und erwächst aus dem Menschen und so der Mensch erwacht am Morgen, ist der Baum und sein Knospen-Gewächs bereits dort, wo wir ihn bereits wissen; es ist also nichts Ungewisses daran, wenn wir des morgens erwachen und ihn erblicken; es ist ebenso normal, wie zu erwarten, dass der Baum vor unserem Fenster im Frühjahr Blüte trägt und die Triebe langsam schwerer werden und ebenso normal, dass die Äste sich nach unten neigen.

In dieser unserer Zeit des Jahres, in diesem März 2020 ist ein wachsames Erwachen des Frühlings zu sehen und ein jeder Mensch kann Knospen zählen, da die Zeit, die wir dafür haben, langsamer geworden ist. Stillstand!

Die Welt hält den Atem an!

Und in der Früh schwerelos zu atmen erschwert unnötig und nachhaltig unsere Atemwege und für einen kleinen Moment hegt sich der Gedanke, wir verstehen, was da im Baume vor sich geht.

Und Momente des Stillstandes ermöglichen eine Vielzahl an Gedanken und Wanderschaften ranken sich um das Knospen-Gewächs am Baume vor unserem Hause, unserem Garten und unserer Wälder.

Ein mancher Wald erwacht in uns und dahingehend, haben Bäume eine Eigenschaft, die Kräfte schafft, die sie tief und fest im Erdreich verwurzeln lässt, denn Bäume wachsen nicht erst an der Oberfläche, wo man sie mit der Zeit wachsen und emporragen sehen kann. Und wenn ein Baum erwacht, dann muss man schon sehr leise sein, um ihm beim Wachsen zuhören zu können.


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Tag 9/10

An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.

-Charlie Chaplin

Stille Welt

Freitag, 27. März 2020

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Guten Morgen!

Stille Welt

Atmende Welt

Singende Vögel

Ein Bus, ein LKW und ein PKW, dann aber kann man die Krähe vernehmen. Es drängt sich die Frage auf, ob die Vögel, ob das Getier unserer Welt in diesem Frühling lauter pfeifen als üblich, ob sie sich des Frühlings in diesem 21. Jahrhundert, ob es da notwendig ist aus kräftigeren Kehlchen zu pfeifen, weil der Frühling …, auf den kannst du pfeifen.

Die kleinen Knospen an meinem Baum vor meinem Haus nah an meinem Fenster, die interessieren sich wohl kaum für das Pfeifen, es liegt nicht in ihrem Interesse, ob es laut pfeift oder stille Winde wehen, ihr Frühlingstreiben bringt sie heraus und sie pfeifen drauf, ob des Frühlingspfeifen pfeifen laut.

Und auch die Sonne kommt von Rechtswegen von links und ganz ohne Pfeifen scheint sie hell; und merklich wird es allmählich wärmer, wenngleich eine ungewisse Kälte durch unsere Welt geht, die ich mancherorts mit einer Bedächtigkeit der Menschen sehe, die nichts von Kälte spüren lässt.

Es ist jetzt 7:26Uhr in der Frühe, die Krähen haben was zu sagen, reden wie der Schnabel ihnen gewachsen, die Tauben gurren und auch meine Eule – die ein Kuckuck ist – die wie immer nicht zu sehen ist, hat einen Einwand zu vermelden; dass die beim Vögeln singenden ohnehin bei aller Schau des modernen Frühlings mit an Bord sind, keine Frage alle Jahre.

Die Spatzen schwatzen, die Knospen wachsen, der Baum gedeiht. Es ist schon seltsam, wie der gediegene Baum gedeihen kann, ob seines Alters kranken Ranken-Äste, doch der Baum vor meinem Fenster hat so manchen Sturm erlebt, den letzten erst vor rundweg zwei Jahren. Man sieht dem Baum an, dass er viele seiner Triebe verloren und so manchen schattigen Zweig hat ziehen lassen, denn zu sagen, er habe seine Äste fallen lassen, nur weil sie schwach waren, ein Baum spricht solch Sachen nicht.

Ob die Stille der Welt ihm solch Wissen gibt? Ist das Wissen des Baumes, ob vor meinem Fenster oder andernorts Fensterbäume, ist es zu hinterfragen, was wir, in dieser Stiller gewordenen Welt für Fragen haben? Ein Schwatz vom Spatz, da pfeif ich drauf! Ein alter Baum und umwunden von vieler Jahre Wunden und auch Schmerz, doch in der Jahre Frühlinge ward es selten so leise und bedächtig in der Stille, ob am Morgen, ob am Abend.


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Die Stille dieses Frühlings

Tag 31/32

In der Früh fängt das Leben an!
An dieser Stelle ich bemerke, wie einzigartig mein Morgen doch gewesen ist, wie gut nur, dass ich ihn festhielt.


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An dieser Stelle ich bemerke, wie einzigartig mein Morgen doch gewesen ist, wie gut nur, dass ich ihn festhielt.

Sonntag, 19. April 2020

Guten Morgen!

Wenn man in den zurückliegenden 32 Tagen ein wenig von der Welt erfahren wollte, so sollte es einen hinausgerufen und gezogen haben; um dort die Stille zu erleben, genau der richtige Ort.

In der Stille erfährt es sich am besten und wenig ist so friedvoll, wie es in der Stille zu sein vermag; ein bemerkenswertes Auflauschen entsteht in mir, wenn ich dieser Tage die Frühlingsstille spüre.

Eine Last ist es, die sie zu nehmen und in unbekannte Freude verwandeln und sie einem zum Geschenk niederlegen kann, wie dass man sich am Abend ins Bette legt.

Betrachtet habe ich in den zurückliegenden 32 Tagen und gekostet habe ich und ich kann freimütig sagen, es war ein reichliches, ein üppiges und ein saftiges Mahl und Nachschlag gibt es auch.

Achtet die ruhigen Tage – das hat mir mein stoischer Baum gesagt – sie werden sich dem Menschen neigen und wieder zu dem werden, was immer sie waren bevor. Davor ist die Frage! Was macht einem die Stille?

Und die Stille, sie zu erreichen, so ist ein jedes und alle anderen Mittel allen Recht, sie zu spüren, sie zu fühlen und sie gleichsam aller Seele zu atmen und alles Leben zu erfahren, so reicht es aus, wenn man nur sein Fenster öffnet und man fremde Orte im Geiste sucht und besuchen will der Geist so viel an Freiheit, solange es nur Stille in einem Hort der Seele weiß und Herberge mit Namen heißt.

Man weiß viel über die Stille, über die Stille der anderen hat man allenfalls viele Fragen sich zu sagen. Was die Stille ihnen macht? Und welch Macht die Stille hat? Wohl aber weiß ich um die Macht, die einzig und nur die Stille hat, die sich in diesem Frühling meiner gedacht und angebracht und sacht, wie zart und gefühlvoller nicht hat aufbringen können.

Sagenhafter Frühling, der um sich greift und sich mit einem jeden Trieb und in aller Stille er aufrecht schlief, befasst und reifen lässt, wie dass mein Baum vor meinem Hause steht und in der Stille dieses Frühlings ist; der wie die entstehende Sonne des morgens ein golden Antlitz gleißt.

Ihr Tanz, denn sie vollführen und in einem schier unglaublichen Kraftakt aus sich heraus stolzieren, dass ein Zuhören wie Blätterrauschen im Winde ist, der vom Walde weiß.

Cafe, Chaos, Charakter!

Heute rauscht ein leichter Wind durch meinen Baum vor meinem Fenster und lässt die Blätter säuselnd sein.

Der Stille fügen. Sogar der Verkehr, der auf der nahen Straße, auch dieser fügt sich an und es ist ein ruhiger und stiller Sonntagmorgen; es ist gerade 7:39 Uhr. Und will ich denken an Morgen, so verweile ich in diesem Tage nicht, der da doch noch mit so viel Stille spricht und flüsterleise dem Tag aufwartet schön.

Einiges weiß ich, aber nicht viel von der Stille der Menschen, doch nach diesem Frühling, da aber weiß ich jetzt etwas über die Stille der Natur und ihren Zauber, jenen welchen sie mir mit sanfter Macht über die Schultern in den Kopf und ins Herz gebracht. Diese Stille dieser zurückliegenden Tage, diese sind mir „Corona-Solidarität“!

Richtig zu fühlen und zu schreiben, was ich gerade sage, ist erleben und ein Aufleben, wie nur das muntere Gezwitscher der Vögel einem in den Ohren liegen und einen ins Schwelgen bringt.

Stille Kraft, sie ist ein Erleben, dass sich auf feine Unzen heben und Lebensqualität benennen kann.


Von der ersten Zeile bis hierher und so viel ist mir dabei dann klar geworden. Ich werde einen Teil dieser Stille in mir erhalten, ob durch diese Worte, ob durch all die Fotos und Videos dieses Blogs oder, ob nur durch mein Erinnern, aber erhalten werde ich mir diese unglaublichen Kraft und Magie und Macht der erlebten Stille. Ich versuche Worte zu fassen, die binden können, was mir ein Glück bedeutet, dass ich es spüren und euphorisch miterlebe. Ein einziges Wort, dass all meine Gefühle, die schier verborgen waren hinter einem Schleier von lärmender Welt, dass erst ein Drastisches passieren musste, als dass ich es vernehmen kann.

Heute und aller Tage, ich sagte es bereits, aber ich wüsste gerne, wie es anderen damit geht. Konntet ihr diese Stille spüren? Sagt „Ja“ und meint nicht „Nein“. Wenn auch nur ein Hauch davon besteht, der ähnlich dem leichten Winde heute gleicht, wenn also nur ein Moment lang der Gedanke in euch gewesen ist, dass etwas an diesem aufbrausendem Frühling nicht wie die übliche Eieruhr getickt hat, dann habt ich die Stille eines einzigartigen Frühlings gespürt.

Immer will ich diesem Stillen zollen, was hat er gegeben; der Frühling meines Lebens, so will ich ihn Karten, wenngleich ein hoher Preis bezahlt sein wird. Denn denket nicht, mich ließe es kalt, was uns heimsuchend lahmgelegt! Bei aller abwesenden Komik und bei alle zweifelhaft maschierenden Tragik, es muss etwas für jeden von uns in diesem Frühling an Erinnerung zurückbleiben, was hilfreich und vielleicht eine Erinnerung wert ist, die man sich erhalten will. Die Stille dieser Tage ist noch nicht vorbei, die Tage der Könige und Königinen ist vorüberziehend und langsam, aber sie ist noch nicht vorüber, irgendwann nimmt die Stille dieser zurückliegenden 32 Tage seinen angestammten Platz wieder ein. Der Mensch und sein Wohlsein!

„Dar“ bedeutet im Kurdischen Baum, drum schenke und gebe ich diesen Gedanken.

Gideon Mate




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Tag 8/9

„Am reichsten ist der Mensch, dessen Vergnügen am billigsten ist.“

– Henry David Thoreau
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Das Kleine Vergnügen

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Donnerstag, 26. März 2020

Der morgendliche Schein der Sonne kommt aus dem Osten, links von meinem Fenster liegt der Schein der Sonne flach über dem Boden – es ist früh genug dafür, dass der Sonnenkamm gerade erst überschritten ist – dort ist auch an diesem Morgen der Osten zu finden und da sich mein Fenster im zweiten Obergeschoss befindet, liegt die Sonne morgens um 6 Uhr noch besonders flach über der Erde und bringt vom überraschendem Osten her die erste Wärme des Tages in die Welt.

Die Äste meines Baumes vor meinem Fenster wiegen leicht, kaum ein Windhauch berührt sie, nur die Strahlen der Sonne aus dem Osten erfassen die immer größer werdenden Knospen, die schwer und schwerer werden, wie die Gedanken dieser Tage. Uns allen liegt der Sonnenschein morgens noch flach über der Erde, wir alle sehen an den Bäumen, an den Sträuchern, wenn wir uns zurücknehmen das Wachsen der Welt. Und wie ein smarter Windhauch weht, der uns auch irgendwoher ein Gedanke einspielt, ob auch er aus dem Osten herkommt uns überkommt, bleibt abzuwarten.

Gedanken haben keinen Kompass, sie entspringen alle an einem Ort in uns, sie sind nicht festgebunden und doch ist ihr Ursprung bei jedem von uns immer der gleiche Ort und von Ort zu Ort ist es auch nicht anders. Und wenn man dieser Tage am Morgen in die Sonne des Lebens lacht, so ist auch jenes Lächeln von Ort zu Ort und niemals gleich, so mancher Gedanke, der allerdings gleicht an so vielen Orten manch anderem Kopfe, da auch wir, wie der Baum im Frühling schwerer werden, wenn wir uns berühren. Und mögen es nur unsere Gedanken sein, die einander geneigt sind zu berühren und zu umschließen, wie die kräftigen Strahlen dieser morgendlichen Frühlingssonne die kleinen und vielen einzelnen Knospen umschließt und damit den gesamten Baum einschließt, so mögen die Strahlen des Himmels aus dem Osten heraufkommen und in die Welt hineingehen, so mag auch ein Ach aus dem Osten uns erreicht und uns auch ein Weh gebracht haben, welches so manch kleinen Ast erfasst und in unruhige Schwingung versetzt, solange wir wie die Sonne bleiben, können wir einander fassen und berühren, wenn auch unser aller alltäglicher Kontaktaustausch auf andere Weise erfolgen muss.

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