Die goldene Stunde

Tag 18

Sonntag, 5. April 2020

Guten Morgen!

Ein herrlicher Tag, der heute bereits um 6:00 begonnen hat, zumindest für mich, die Sonne ging erst um 6:30 Uhr in unseren Breitengraden auf, macht aber nichts, weil das wenige Licht, dieses schmale Aufbauen des Horizontes, dieses schmale Band, welches sich langsam im Zeitraffer über den sichtbaren Horizont rollt, sich nahtlos einfügt in das Bild, welches ich von meinem Bett aus habe.

Das noch verschlafene Auge nimmt die Veränderung wahr, der fast noch schlafende Geist blinzelt der Welt des Schlafes Valet. Und mit Schlag 6:30 spitzt und schickt sich sanfte Sonne sorgsam sicher einher.

Wer morgens um jene Stunde, die Goldene, wie ich meine und weiß um deren Bedeutung. Die Goldene Stunde hat hier und ich bin da gänzlich und sage euch die Doppeldeutung, denn ohne richtige Deutung der Dinge ist eine Bedeutung nur so viel wie ihr Verständnis dafür, ob ihr dem einen Wert gebt, ist eine freie Entscheidung.

Also, die Fotografie greift hier den Begriff kurz nach dem Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang auf, um hierhin pedantisch und das Pendant zu geben, gibt es auch die Blaue Stunde, die wie auch immer mitmacht – ich lächle an dieser Stelle – es ging sich ja um die Goldene Stunde; nun haben wir eine Bedeutung, doch die zweite Bedeutung ist in der Medizin gebräuchlich für die Hilfeleistung am Menschen.

Was aber hat all der Blödsinn mit unserem Sonnenaufgang und unserem Baum, der, wie wir ja wissen, noch immer vor unserem Fenster steht zu tun?

Nun, da wir dieser Tage gelebt Solidarität ertragen und traghafte Hilfe sind, weil wir wie die Goldene Stunde sind. Eine einfache Transferleistung von Sonne zu Baum und Baum zum Menschen. Da der Mensch von der Sonne abhängt, der Baum vom Lichte seiner Kraft, die schier unendlich schafft und der Mensch vom Baume sich herunterlebte und auch heute noch vom Baume lebt, beizeiten auch im Walde steht, so ist die Goldene Stunde vielfach in aller Munde.

So, nun sind wir im Bilde, das Ganze erhält einen Rahmen und wir gehen auf unser Gedankenpferd und galoppieren in den Sonnenuntergang, derweil ergreifen wir unser Gedankenschwert und schlagen uns eine Flucht, nicht weil wir fliehen wollen, wir festsitzen ja gerade in unserem Haus, vor dem hoffentlich unser Baum nicht beseelt ist von einer weiteren Bedeutungsebene der Goldenen Stunde und nun habe ich das Zahnrad ganz gedreht.

Wir können absatteln!

Gideon Mate

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Die Ruhe in mir

Tag 66/67

Samstag, 23. Mai 2020

Guten Morgen!

Besinnung ist etwas sehr Schönes. Sich in Ruhe auf etwas vorbereiten, gibt dem ganzen Kraft und den Tag damit zu beginnen, ist ein solches „Schönes“.

Seitdem ich morgens die Stille suche, sehe ich in mir die Formen auflaufen, die in der Stille verborgen sind. Meinem Baum muss ich hierbei den größten Respekt entgegenbringen, denn er war und er ist es noch, der mich in der Spur meiner Suche hält.

Ich verfolge sein Wachsen vom Frühling an, als er noch keine Blätter trug. Zu Beginn waren es nur einfache Blätter, die sich in kleinen Knospen herauswuchsen, danach kamen zarte Blütenstauden hervor, die erst noch weiß waren und mit der Bestäubung sich rötlich färbten und aus denen nun allmählich weitere kleine Früchte hervorzuwachsen beginnen.

Die Betrachtung meines Baumes, seines Heranwachsens, sie hat mich ein Stück weit gelehriger gemacht, sie hat erreicht, was ich nicht zu sehen verstand, aber ohne den Corona-Wahnsinn…

Wäre ich zu dieser Ruhe gelangt? Hätte es mir Freude bereitet seinem Wachsen zuzusehen und mich jeden Morgen um 6 Uhr daran zu erfreuen, dass er vor meinem Fenster steht? Schließlich ist es doch nur ein Baum, so könnte ich schreiben, aber es ist mir mehr nur als ein Baum geworden.

Ich schrieb es, es ist geworden „es“, nicht er, also ist mir die Geschichte meines Baumes zu etwas geworden, dass vorher nicht gewesen ist und ohne den Corona-Wahnsinn…

Heute erblicke ich die kleinen Veränderungen, die Formen, die Gestalten, wie aus den vormals weißen Blütenstauden, die aussehen wie kleine Glöckchen, rötlich Bestäubte Blüte wurden und aus diesen nun nach und nach die kleinen grünen runden Bällchen hervorkommen, die im Herbst, also erst in ein paar Monaten zu großen stacheligen grünen Kugeln geworden sein werden; es ist der grüne Mantel der Rosskastanie, die verfärbten Blüten, rücken allmählich in den Hintergrund und werden braun und dunkel und schließlich fallen auch sie wieder vom Baum und werden im Erdreich zur Nahrung meines Baumes.

Ich gestehe, dass ich für einige Tage, besonders am Morgen, dass ich da meinen Weg verloren und mich verloren glaubte, weil die Hetze der Masken mich einholte, doch langsam komme ich wieder bei mir an.

Wie vielen geht es so? Gibt es andere, denen die Maskerade auch zur Qual geworden ist? Mir fällt es zunehmend schwer und schwerer werden dabei die Gedanken, weil sie vom Menschen abweichen.

Vor einigen Wochen, es sind gerade 9 Wochen, damals hätte ich das Heute so nicht sehen können, denn mir fehlte etwas, von dem ich nicht wusste, wie ich es erreichen kann, da ich nicht wusste, dass es mir derart fehlte, dass ich davon auch nichts wusste, weil ich es nicht gespürt habe – die Stille und Ruhe.

Ich weiß nicht, ob das Fehlen einer Sache, auch im Kleinsten einer Sache, eine solche Wirkung haben kann, dass sie einem wie ein großes Abenteuer vorkommt, wenn man sie dann aus dem Nichts heraus spüren kann, so sehr, dass man Glauben ist, sie auch zu sehen; wohl deshalb wählte ich meinen Baum, meine Rosskastanie.

Eines jedoch hat sich mir gezeigt und offenbart, dass ich seither nicht mehr missen mag.

Ruhe und Stille sind ein Ort in mir!

Gideon Mate

Feiertag

Tag 64/65

Donnerstag, 21. Mai 2020

Guten Morgen!

Feiertage haben für mich immer einen symbolischen Charakter, sie haben für mich heutzutage kaum noch eine Bewandtnis zu ihrem Ursprung.

Christi Himmelfahrt zum Beispiel ist ein bundesweiter Gesetzlicher Feiertag, ich bin weder Kirchgänger, noch habe ich einen anderen Bezug zu diesem Tag, dennoch komme ich in den Genuss seiner Vorzüge.

Versteht mich nicht falsch, ich bin noch im Meinungsaustausch mit dem Herrn und wir diskutieren, ob des für und wider.

Ich will auf etwas hinaus!

Feiertage sind Gedenktage, an denen man sich Gedanken um das Vergangene machen und sich in Achtsamkeit begibt, damit man sich nahe sein und sein Nahen spüren kann.

Ich kann nicht umhin und darin liegt mir der Sinn, dass die Zeit reif ist für einen Feiertag, dem wir alle nahe sind, weil wir ihn erlebt haben, sie erlebt haben.

Der 18. März wäre für mich ein solcher Tag!

Was ist so besonders an diesem Tag?

Ich denke, es ist der Besondere Tag diesen Jahres und auch dieses Jahrzehnts, wenn nicht sogar dieses Jahrhunderts.

Es ist der Tag, an dem – meiner Meinung nach – eine Welle von ungeahnter und merkwürdiger Vorstellung durch unser Land gerollt ist, die uns alle Schweigen gemacht hat.

Für mich ist dieser Tag, der stillste Tag meines Lebens; er war so still und leise, dass ich die Stille und das Leise-sein sehen, spüren, riechen und sogar schmecken konnte.

Seither versuche ich alles, um dieser Stille zu gedenken und sie einzufangen, sie festzuhalten, sie ewig zu gestalten, um all ihre Gestalten und Formen, die biegbaren und Dornen zu umfassen und wie ein Königreich zu emporen.

Gideon Mate

Routinen & Erkenntnisse

Tag 60/61

Sonntag, 17. Mai 2020

Guten Morgen!

Da mich mein Baum so fabelhaft zu beschäftigen und zu geschäftigen Gedanken getrieben hat, wie er seine Triebe ausgetrieben hat, da der Frühling uns erreichte, so habe ich daraus eine Routine werden lassen, doch wird eine jede Routine auch schnell zum Alltag.

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als könne man sich dem Alltäglichen nicht entziehen!?

Wenn man sich dem Alltäglichen, den Gedankenmustern, den Strukturen unterwirft, da es letztlich nicht ohne diese Routinen geht, dann erkennt man irgendwann ihren Nutzen.

Aber haben alle Routine einen Nutzen? Nutzen sich Routinen ab? Wie durchbrechen Routinen unseren Alltag? Und wie durchbrechen wir unsere ablegbaren Routinen?

Wenn ich den Gedanken so begehe, so erscheint es, als gebe es mehrere Formen der Routinen!?

Nützliche von Gebrauch, brauchbare von Nutzen; regelmäßig anwendbare, unregelmäßig ablegbare; und bar jeder Erkenntnis, es sieht aus, als gäbe es noch viele weitere, doch will ich mich an dieser Stelle nicht ins Schwert meines Verstandes stürzen und unsinnig werden.

Ich denke, derweil ich meinen Blick wieder hinausgleiten lasse und meinen Baum heute Morgen leise mit seinen Blättern rascheln höre, da der Wind durch ihn fährt, ich werde diesen Gedanken langsamer angehen, um auch nichts von ihm zu übersehen oder gar vorschnell zu sein.

Um die Konsequenz einzuhalten, es gibt „nützliche“ und „unnütze“ Routinen und ebenso kann man es halten mit der Erkenntnis!?

Jetzt hat mich mein Baum aber auf eine Reise geschickt! Ein Teifelskerl’e! Mein Baum bringt mich an machbare und denkbare Positionen, von denen aus das Alltägliche gut zu durchleuchten ist.

Die Schwierigkeit der Routine, jene eine, welche mir gerade ins Genick springt und aufhockend gnadenlos ist, reicht mir den Fehdehandschuh und spricht: Ich bin doch die Nützliche; die Unnütze natürlich bleibt stumm. Wie dumm für uns Routiniers, dass wir unsere Routinen so gut kennen, als dass wir sie von uns geben wollen.

Mir reicht es nicht, dass ich meinen herrlichen Baum, diesen stummen Diener meiner morgendlichen Gedanken anschaue – nein – nun muss ich da auch noch hinaufklettern.

Denn, wenn ich den Gedanken so begehe, dann – ojemine – davon zu denken, spricht’s nicht leichter aus, aber über die Erkenntnis hinausgelangen, dass, so bläut es mir mein Bäume – nun falle ich auf die Routine rein – kann man zur Routine werden lassen und einmal damit angefangen, so will man sich bestimmt nicht mehr davonlassen.

An dieser Stelle, bitte einen Ablassbrief für meinen Gedanken, der mir da zu Rate geht!

Gideon Mate

Eitler Sonnenschein

Tag 33/34

Dienstag, 21. April 2020

Guten Morgen!

Ich weiß nicht, wann ich der Sonne, ihrem Lauf, dem Wachsen der Bäume und dem aufkommenden Frühling, wann ich einem oder auch nur allen einen solchen Blick gegönnt habe, wie ich es in den letzten Tagen gemacht und wiederentdeckt zu haben scheine.

Wohl liegt es an mir, dass ich mein Betrachten der Welt vernachlässigt und ich weniger auf die Schönheit unserer Welt geachtet habe, als dass ich es zurzeit als meinen schönsten Zeitvertreib ansehe – es zum Schönsten mache – was der Tag zu bieten hat, ist mir ein Vergnügen.

In seinem Dasein und nun meine ich wieder meinen Baum, der in seinem Stand, der mir so leicht und einfach erscheint, dass ich darüber bereit bin, mir ordentlich viele Gedanken zu machen, welche ich vorher und früher nie gehabt habe.

Ich sah meinem Baum beim Wachsen zu, sah wie seine Blätter sprossen und sah wie Grün der Schatten vor meinem Fenster wurde, ein tatsächliches Geschehen zu beobachten und sich seiner dabei gewahr werden, ein wohliges Erlebnis.

Also will ich die Frage danach nochmals stellen. Wann habe ich der Natur das letzte Mal Aufmerksamkeit gewidmet und mich von ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt aus meiner Einfalt herausholen lassen? Nun, wir kennen diesbezüglich eine Antwort, doch will ich aus meiner Einfalt heraus und will wieder zurück auf die Straßen des Waldes kehren, der mir dieser Tage des 21. Jahrhunderts um so viel reizvoller und einspielender ist, als dass er es vor dem 18. März 2020 gewesen ist.

Ob und wie viel mein Baum nun größer geworden ist und er an Höhe gewonnen hat, dies alles geschieht nur in meinem Kopf, da die Vermessung eines Baumes ein Gedanke ist, welchem ich mit den Augen folge und folglich bin ich dabei kein Metermaß und auch kein Zollstock, doch zolle ich dem Baum eine Aufmerksamkeit, die mich in den Genuss und den Zustand und dabei ist der Genuss zuständig für mein Wohlbefinden, versetzt, als dass ich darüber Zeit mit ihm verbringe, die mir vorher und früher dafür gefehlt hat.

Ich hab ein Fehl an mir getan, als ich annahm die Sonne sei für mich heikel!

Und nun in „Corona-Solidaritaets“ Manier, es bringt mich dieses Großereignis an den Punkt der Zeit, da ich von dieser mehr zu besitzen scheine, als dass ich vorher den Grauen Herren von der Zeit Bank gegeben habe. Und so erscheint mir die Geschwindigkeit, mit welcher mein Baum sich in den Frühling einbringt klarer zu werden.

Und da ich manchmal geneigt bin meinen Gedanken das Vorfeld zu überlassen, so schwanke ich hin und manchmal mit Sinn.

Was die zuständige Zollbehörde diesbezüglich meint, ist von der Sonne durch Wolkenfelder klare Sicht zu erhalten, ansonsten sei dies Steuerfrei. Und so kommt steuerfrei und feuerfrei zur steuerei dieser Situation, die uns in eine Ruhe und Stille befördert hat, die viel freien Willen und jede Menge Gedanken eingebracht und uns womöglich zum Baum vor unserem Hause geführt hat.

Wohin führt die Stille, wenn wir schweigen und bei ihr bleiben?

Gideon Mate


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Maske

Tag 55/56

Dienstag, 12. Mai 2020

Guten Morgen!

Bach am Morgen, ein bisschen Gezwitscher am offenen Fenster, dazu eine kühle von Feuchtigkeit durchwrungene Kälte, garniert wird das ganze in einem matten Himmelsblau, so kurz nach grau.

Harmonia Dei Fiori in B-Dur, ich finde das Tschilpen der Zilpzalp’s passt herrlich genau und den Vögeln scheint es musikalisch; mir hingegen erscheint mein Kopf eingefroren und leichtgrau. Bin heute, so wie es draußen scheint, nicht genau genug mit mir im Bunde.

Einzig mein Baum, der stumme Diener, der steht und nur feine schüttelt er die Blätter, als wolle er verneinen, dass ich mich heut in Vorrat gleichsam kränke, wenn ich in meinem Kopf herumwühle, weil die Welt da ist und mir viel zu viel geworden ist.

Ich bin aus der Ruhe, aus dem Tritt, nicht im Schritt, sondern im Gesamten, es hat keinerlei und wenig von der Welt, die in aller Welt zu Herrgottszeiten das Schreiten in Weiten maßvoll und gehaltvoll anerkennt; doch dieser Tage, da ist es nicht Allegro und d’accord gehe ich damit auch nicht.

Meinen Baum, den stört das nicht! Mich stört, die Maskerade, sie verdeckt den Menschen. Wie schade mag da einer sagen; sagen dies nun mehr, so ist es doppelt und auch schwer!

Aber, meinen Baum, den stört das nicht! Ich Teufel, wie kann ich auch verlangen, dass ich Gesichter sehe, wo nur Masken sind.

Stumme Diener, die wir geworden sind, sprechen schon süße Träume über Bäume, die stummer sind als Diener, die wir geworden sind!

Bei aller Tändelei, ich will immer wieder und auch immerfortlich an meinen Baum, gedenken will ich der Stille des Menschen, die verloren scheint, wenn der Mensch maskierter Mumpitz auf die Spitze treibt.

Umschreiben kann ich gerade und auch alles, doch in aller Deutlichkeit, es langt langsam an und es macht sich breit, was unter Masken nicht zu sehen ist; des Menschen Gesichter schauen nicht nur aus Augen und sind herzlich, es braucht das Kinn, es braucht die Wangen, sonst klingt B-Dur wie Würfel fangen.

Die Deutlichkeit der Worte, früher hob man allseits den Hut; heute hebt man die Maske nicht, um des Grußes Willen, es bleibt schlicht die Luft.

Tja, ich weiß ja nicht, aber ich bin ich und nicht allein?

Gideon Hate

Schöne Aussichten

Taschenlicht

Tag 30/31

Manchmal, wenn einfach nichts zu sagen ist…





Auch nach Tagen und Wochen ist dieses Bild noch immer eine sagenhafte Erinnerung.
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Taschenlicht

Samstag, 18. April 2020

Guten Morgen!

Der Specht klopft, so ist’s recht. Die Sonne war pünktlich über dem Kamm im Walde zu erspähen, bereits vorher hatte ich eine Ahnung vom Licht. Erst aber graute es noch und als ich losfuhr mit dem Rad, da war es noch dunkel, aber ich hörte schon ein paar Amseln, die sich vorsahen und der Sonne entgegen.

Zeit hatte ich und Stille lag in der Luft. Kalt war es und gerade eben hell genug, so dass ich ohne Lichter fuhr. Es ist nicht so, dass ich keine Lichter hätte, ich hatte ein rotes Rücklicht und meine Vorderleuchte in der Jackentasche, die Vorrichtung fehlt. Da Eile geboten war, weil mir eben das Licht der Sonne als größere Leuchte geeigneter schien, nahm ich in Kauf, weniger gesehen zu werden und fuhr los. Auf den Straßen war kaum Verkehr und meine grell gelbe Jacke und ich, wir waren uns sicher, dass uns kein Auto übersehen sollte. Und wo kein Verkehr, da auch kein Risiko.

Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es mir ja um das Lichte ging, und um 5:28 Uhr, da hat es schon einen leichten Sonnenschimmer, und deshalb ist es dunkel nicht. Der größte Teil der Strecke geht ohnehin um diese Uhrzeit an einer Stelle vorbei, die weniger befahren ist als am Tag. Und da dieser Tage weniger Fahrten nötig sind als erlaubt, da ist die Straße frühmorgens freier als nötig. Ich schaute hinauf in den Osten, denn von dort erwartete ich das große Ereignis. Ein Großereignis, welches spricht vom Sonnenlicht und jeder Wicht wird wagen zu sagen, was spricht’s vom Sonnenlicht.

An dieser Stelle reiße ich mich zusammen; und ich durchforste all meine Erinnerungen und kann sagen, dass ich es wohldurchdacht habe, aber das Wissen, wann ich je der Sonne bei ihrem Einmarsch in diese Welt zugesehen habe, das habe ich nicht. Desweiteren gebe ich zu bedenken, dass ich, als ich losfuhr, nur dem Sonnenaufgang beiwohnen und ihn einfangen wollte. Wie man Erinnerungen schafft? Das war mir dabei nicht im Kopf, erst das Erinnern zeigt mir die Richtung.

Erst jetzt, da ich hier sitze und verfasse, was mein Verstand mir zuflüstert und meine Sinne mir in Erinnerung rufen, da erfahre ich diesen Sonnenaufgang nochmals und überdauernd überkommt es mich. Ich hatte mich eiligst in den Wald begeben, um zu erfahren, wie es in der Stille des Waldes am frühen Morgen ist und um mit der Sonne zu erwachen.

Das Aufblitzen des Sonnenlichts über meiner linken Schulter schubste mich aus dem Denken ins reine Sein, da mich erst dieses Aufblitzen der Sonne aus dem Alltäglichen des Lebens herausholte und mir derart ins Auge fiel; und für einen Moment war ich geblendet, wie es nur eine Taschenlampe, die plötzlich aus dem Dunkeln heraus aufleuchtet uns zu blenden versteht, als dass dieses Schubsen einer zärtlichen Umarmung des Waldes glich.

Das Erfahren dieser Welt – diese ist es dieser Tage, die mir komisch ist, die Sonne und ihr Lauf sind es nicht und wenn man frühmorgendlich vor dem Sonnenlicht Radelt, dann spürt man womöglich, klein wie ein Taschenlicht, wie es vom Großen spricht; auch im Besonderen dieser Tage liegt womöglich ein Taschenlicht verborgen.

Gideon Mate


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The sound of silence

Die Stimmung aus der Stille



  • Taschenlichter

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Der Stille wegen

Tag 51/52

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Es gibt vielerlei Lärm. Aber es gibt nur eine Stille.

-Kurt Tucholsky


Freitag, 8. Mai 2020

Guten Morgen!

Über die Stille nachzudenken, sich Gedanken darüber zu machen, wie es sich anstellt, das Gedanken-Machen. Und diese, um einen Baum zu wickeln, als sei mein Gedanke ein Wickeltuch der Wärme; so komme ich nicht umhin zu erkennen, dass allein der gedankliche Aspekt schon einen Teil der Stille erschafft, von welchem ich so angetan und geschäftig dieser Tage bin, als dass ich die Finger nicht von dieser leckeren Köstlichkeit lassen will.

Und auch versteckt, aber dennoch sichtbar, ist ein anderer Aspekt, welcher mir erst in diesem Augenblick klar und erkenntlich vorzeigbar erscheint und es gut mit mir meint. Das Schreiben!

Nun erhält das Pflanzen eines Baumes, eine Bedeutung, die ich durch meinen Baum vor meinem Fenster verständlicher finde und darauf hoffe, dass sich durch mein Gedanken-Gang und Gedanken-Gerüst, dass sich daraus nicht nur ein Blick auf die Sache, also auf die Stille legt, sondern, dass sich daraus auch eine Erkenntnis herausbildet, welche mir bleiben und aus der ich Kraft schöpfen und Ruhe finden kann, wenn ich sie einstmals brauchen werde.

Mögen sich andere Gedanken daran anschließen.

Dadurch ergibt sich mir die Motivation, mit welcher ich zu Werke gehe und durch die meine Feder und Schrift und Stil zwar nicht zu Papier, aber immerhin in Worte gefasst auf einem Bildschirm aufleuchten und sich abheben werden.

Mein Wunsch ist, dass meinem Gedanken jemand folgen mag und sich in seiner Gedankenwelt seinen Happy-Place erschaffen und erhalten kann, gerade in Zeiten, in denen es Merkwürdigkeiten gibt, die selten sind.

Und wieder kehre ich zurück zu meinem Baum vor meinem Fenster und ich höre den Kuckuck und wieder kann ich ihn nicht sehen, dennoch ist er da und morgen wird er auch wieder da sein und wieder werde ich ihn nicht sehen.

Manche Dinge sind sichtbare Elemente und bergen unsichtbare Talente und manch unsichtbare Talente bergen Gipfel voller gedanklicher Elemente, derer wir uns öffnen können, um sie zu uns zu holen.

Und der Stille wegen…

Gideon Mate   


Tag 10/11

https://coronasolidaritaets.net/2020/04/19/tag-30-31/
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Samstag, 28. März 2020

Guten Morgen!

Ein Wachsen, ein Treiben von Trieben an den Verästelungen meines Baumes vor meinem Fenster, deutlich kann man es wahrnehmen, wie der treibende Frühling, angefeuert vom Sonnenlicht des wachwerdenden Frühjahres, wie er in jede Knospe hineinlangt, doch Bäume wachsen nicht von den Knospen an in den Boden.

Der Mensch erwacht und erwächst aus dem Menschen und so der Mensch erwacht am Morgen, ist der Baum und sein Knospen-Gewächs bereits dort, wo wir ihn bereits wissen; es ist also nichts Ungewisses daran, wenn wir des morgens erwachen und ihn erblicken; es ist ebenso normal, wie zu erwarten, dass der Baum vor unserem Fenster im Frühjahr Blüte trägt und die Triebe langsam schwerer werden und ebenso normal, dass die Äste sich nach unten neigen.

In dieser unserer Zeit des Jahres, in diesem März 2020 ist ein wachsames Erwachen des Frühlings zu sehen und ein jeder Mensch kann Knospen zählen, da die Zeit, die wir dafür haben, langsamer geworden ist. Stillstand!

Die Welt hält den Atem an!

Und in der Früh schwerelos zu atmen erschwert unnötig und nachhaltig unsere Atemwege und für einen kleinen Moment hegt sich der Gedanke, wir verstehen, was da im Baume vor sich geht.

Und Momente des Stillstandes ermöglichen eine Vielzahl an Gedanken und Wanderschaften ranken sich um das Knospen-Gewächs am Baume vor unserem Hause, unserem Garten und unserer Wälder.

Ein mancher Wald erwacht in uns und dahingehend, haben Bäume eine Eigenschaft, die Kräfte schafft, die sie tief und fest im Erdreich verwurzeln lässt, denn Bäume wachsen nicht erst an der Oberfläche, wo man sie mit der Zeit wachsen und emporragen sehen kann. Und wenn ein Baum erwacht, dann muss man schon sehr leise sein, um ihm beim Wachsen zuhören zu können.


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